Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 288)
- Language
- German, English, Hebrew
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288 g. Kongreßsitzung: Generaldebatte und Ihnen allen für die Einladung des Völkerbundssekretariats zu Ihrem Kongreß und bin besonders dankbar dafür, daß der Generalsekretär diesmal mich mit der Aufgabe betraut hat, den Kongreß in seinem Namen zu begrüßen. Der Geist internationaler Verständigung und internationaler Diskussion, der den Völkerbund und seine Organe leitet, ermöglicht uns auch, die tiefen Probleme zu verstehen, die Ihre Bewegung beherrschen. Dieser Geist sichert Ihnen nicht nur unser Verständnis, sondern auch unser tiefstes Interesse. In diesem Sinne wünsche ich Ihrem Kongreß den besten Erfolg seiner Arbeiten! (Lebhafter Beifall.) VORS. PRÄS. MOTZKIN: Die Generaldebatte geht weiter. Das Wort hat der Vertreter der Revisionisten. DEL. Dr. ABRAHAM WEINSCHALL (Rev., Erez Israel — spricht hebräisch): Geehrter Kongreß, mein Freund Dr. Schechtmann hat hier schon über die Niederlagen der zionistischen Bewegung auf politischem Gebiete gesprochen. Die letzte Zeit ist erfüllt mit Tatsachen, die den Zusammenbruch der zionistischen Bewegung auf diesem Gebiete beweisen: Die Anleihe, der French-Bericht, die Beschränkungen des Bodenkaufes, das Einwanderungsgesetz, die Gefahr der Gesetzgebenden Versammlung, die Ohrfeige, die wir in der Angelegenheit Transjordanien bekommen haben. Ich habe die Aufgabe, über die Niederlagen auf innerem und wirtschaftlichem Gebiet zu sprechen. Die zionistische Bewegung befindet sich in einem sonderbaren Zustand. In Erez Israel gibt es keine Krise, die Banken haben viel Geld, Baubewegung, Pflanzungen, Industrie sind im Aufschwung begriffen. Gleichzeitig befindet sich aber die Zionistische Organisation in einem Zustand des Verfalls und vollkommenen Zusammenbruchs. Es besteht eine tiefgehende Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen der Bewegung und dem Zustand der Organisation. Wie ist es gekommen, daß die Zionistische Organisation verfällt, während es eine gewaltige Bewegung der jüdischen Massen nach Erez Israel und eine so starke Aufbautätigkeit in Erez Israel selbst, gibt? Die einzig mögliche Antwort ist die: die Zionistische Organisation hat ihre Aufgabe, das jüdische Volk zusammenzufassen und seinen Auszug in sein Land zu organisieren, nicht erfüllt. So mußte es kommen, daß der Aufbau des Landes und der Drang der Juden in das Land, Wege suchte und fand, die außerhalb der Zionistischen Organisation liegen. Die Organisation stand tatenlos da, ohne diesen Drang zu organisieren, ohne ihm wenigstens zu helfen, ohne ihre Aufgabe in dieser historischen Erscheinung zu erfüllen. Sie kennen den Witz von dem Zionisten, der einen zweiten Juden auf Kosten eines dritten in Palästina ansiedeln will. Das ist leider kein Witz, sondern die Philosophie der wirtschaftlichen Tätigkeit der Zionistischen Organisation seit dem Kriege bis heute. Vielleicht gibt es eine historische Rechtfertigung dieser Erscheinung: Es gab eine Zeit, wo die jüdischen Massen nicht vertraut waren mit dem Aufbau Palästinas, wo nur die Jugend ins Land gehen wollte und reiche, mit