Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 285 (sequence 285)
- Language
- German, English, Hebrew
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Rotbenberg 285 Aufnahme finden müssen. Weitere 100.000, die zur Auswanderung gezwungen sein werden, können seiner Meinung nach in den Vereinigten Staaten und in den Ländern Südamerikas Zuflucht finden, wenn energisch genug Existenzmöglichkeiten dort für sie gesucht werden. Ich fürchte, daß Dr. Ruppins Hoffnung in dieser Hinsicht in Wirklichkeit allzu schwach basiert ist. Wenig deutet darauf hin, daß diese Länder so bald ihre Tore für Neueinwanderer öffnen werden. Und haben wir denn nur mit dem Problem der Heimatlosigkeit der deutschen Juden zu tun? Juden drängen sich in jedem Hafen Osteuropas, kommen aus Ländern, wo die Last des Lebens untragbar geworden ist, warten fieberhaft auf Visa nach Palästina und werden durch die Enttäuschung in die Verzweiflung getrieben. Zehntausende von Juden sind pauperisiert und zu langsamem Hungertod in den Ländern Osteuropas verurteilt, wenn nicht eine Lösung ihres Problems in einem Lande gefunden werden kann, das gewisse wirtschaftliche Möglichkeiten bietet. So stellt sich uns unausweichlich die Frage: Wenn wir annehmen, daß die Tore Palästinas weit geöffnet werden, um eine Einwanderung aufzunehmen, die der heutigen Not entspricht, wie werden wir die Mittel schaffen, die unumgänglich nötig sind, um einem großen Teil der Neueinwanderer zu helfen, der ohne die Mittel nach Palästina kommt, um wirtschaftlich selbständig zu sein und produktive Arbeit zu leisten? Nach großer, vielleicht unvermeidlicher Verzögerung wurde von unserer Exekutive ein Palästina-Hilfsfond für deutsche Juden geschaffen und ein Appell an das Weltjudentum erlassen. Wir zweifeln nicht daran, daß das jüdische Volk sich seiner Verantwortlichkeit voll bewußt ist, daß es geben wird, was es geben kann, damit diese nie dagewesene Not gelindert werden kann. Machen wir uns aber keine Illusionen über die Möglichkeiten, heute im Judentum Geld aufzubringen! Die große jüdische Gruppe in Rußland, die der zionistischen Bewegung einst volle kulturelle und moralische Unterstützung gab, ist völlig von dem Körper des jüdischen Volkes abgeschnitten. Der größte Teil des polnischen und sonstigen osteuropäischen Judentums kämpft um die nackte Existenz. Die amerikanische Judenheit, deren Großzügigkeit seit 1915 den Ausfall wettgemacht hat, ist, zusammen mit dem ganzen amerikanischen Volk seit vier Jahren in eine schwere wirtschaftliche Krise geraten, die den Besitz sehr weiter Kreise vernichtet hat. Wir können nur hoffen, aber wir können nicht damit rechnen, daß Amerika bald diese Lage überwindet. Die Zionistische Exekutive hat die Krise in Amerika nicht zur Kenntnis genommen und die amerikanischen Zionisten wurden dauernd mit Telegrammen aus Palästina und aus London überschwemmt, in denen dringend sofortige Geldüberweisungen verlangt wurden, damit die Arbeit der Jewish Agency nicht zusammenbreche. Wir wünschten, wir hätten diese Forderungen erfüllen können, denn wir wissen nur zu gut, welchen Kampf die Exekutive führen mußte, um ihre Position in Palästina zu halten. Leider aber hatten wir keinen Vertrag mit dem Rebono-schel-Olam, daß wir immer und ewig die reichen „Jachsanim" bleiben müssen. Wir glauben, daß es uns