Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 284 (sequence 284)
- Language
- German, English, Hebrew
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284 9- Kongreßsitzung: Generaldebatte langt, die Arbeiter könnten ihre Macht mißbrauchen, meine Damen und Herren, so ist, solange ich denken kann (und mein zionistisches Gedächtnis reicht zwanzig Jahre zurück), immer wieder von unseren Führern und unseren Propagandisten in jedem Winkel der Erde anerkannt worden, daß der jüdische Arbeiter in Palästina durch seinen Schweiß und sein Blut den größten Anteil an der Grundlegung des Jüdischen Nationalen Heimes hat. Ich kann nicht glauben, daß sie, wenn sie stärker und reifer geworden sind, die Arbeit ihrer eigenen Hände in Gefahr bringen werden. Wir können wohl zuversichtlich annehmen, daß die Arbeiterschaft, wenn sie größere Möglichkeiten erhält, dem jüdischen Volke zu dienen, klug genug und patriotisch genug sein wird, um es nicht im Interesse einer Gruppe oder Klasse Zu tun, sondern im Interesse des ganzen jüdischen Volkes. Nunmehr wende ich mich der Frage zu, die eine unserer ernstesten, wenn nicht die allerdringendste ist! Welche praktischen Schritte können wir unternehmen, um den tragischen Zustand jüdischer Heimatlosigkeit zu überwinden, die in der modernen jüdischen Geschichte nicht ihresgleichen kennt? Dem Protest gegen die Barbareien Ausdruck zu geben, die unsere Brüder in Deutschland getroffen haben, ist unsere Pflicht, die gemeinsame Pflicht der Selbstachtung aller jüdischen Organisationen. Aber bei der Lösung des akuten Problems jüdischer Heimlosigkeit, die durch die deutsche Brutalität entstanden ist, muß die Zionistische Organisation die Verantwortung für die Führung und konstruktive Leistung übernehmen, denn hierin liegt die Existenzberechtigung der zionistischen Bewegung. Das derzeitige Tempo unserer Kolonisation und die Zulassung von Einwanderern nach Palästina seit der Entwicklung der deutschen Tragödie ist völlig unzureichend für die beispiellose Lage, die sich entwickelt hat. Das Problem kann nur durch eine wohl durchdachte, planmäßige Ansiedlung in großem Maßstab während einer Reihe von Jahren gelöst werden. Zur Zeit gehören die nach Palästina kommenden deutschen Juden hauptsächlich zur sogenannten Kapitalisten-Kategorie, denn sie haben noch gewisse Reserven, von denen sie zehren können. Wenn ihnen aber jede Erwerbsmöglichkeit abgeschnitten,, jede Existenzmöglichkeit langsam aber sicher versperrt wird, wie lange können die Reserven der deutschen Juden noch reichen? Es ist kaum zweifelhaft, daß sehr bald jene deutschen Juden, die nach Palästina auswandern wollen, genötigt sein werden, Chaluz-Visa anzufordern. Wir müssen die Sympathie anerkennen, welche die Mandatarmacht bei dem Unglück unseres Volkes in Deutschland gezeigt hat. Gleichzeitig aber muß gesagt werden, daß alles, was bisher geschehen ist, um die Tore Palästinas für deutsche Flüchtlinge zu öffnen, unerheblich ist. Wie dankbar wir auch jenen europäischen Ländern sein müssen, die den jüdischen Flüchtlingen Zuflucht gewährt haben, so ist das doch nur eine Lösung für einen kleinen Bruchteil derjenigen, die gezwungen sein werden, Deutschland zu verlassen, wenn sie und ihre Kinder am Leben bleiben wollen. Dr. Ruppin hat geschätzt, daß in den nächsten Jahren wenigstens 100.000 deutsche Juden in Palästina