Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 271)
- Language
- German, English, Hebrew
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Brod, Goldmann 271 Ich rede stierst von der -politischen Situation. Ich habe das Gefühl, daß das, was Grünbaum gesagt hat, hier vielleicht ein wenig mißverstanden wurde. Ich bin mit seiner sozialen Konzeption vollkommen einverstanden. Wir unterstreichen alle die soziale Struktur und den Charakter des Aufbaues von Erez Israel, die Bedeutung der Arbeit, die neue Wertordnung, die dort entsteht und deren höchster Wert die Arbeit ist. Wir sind einig darin, daß das höchste Kriterium und der höchste Wert der Adel der Arbeit ist, und ich hoffe, daß diese Auffassung von weiten Kreisen auch außerhalb der Linken geteilt wird. .Als man uns beiden in Palästina die Frage stellte, was wir tun würden, wenn man versuchen würde die Kraft der organisierten Arbeiterschaft, die Kraft der Histadruth zu brechen, die den Begriff der Arbeit und die neue Wertordnung am stärksten repräsentiert, da haben wir beide geantwortet, daß wir im Kampf gegen einen solchen Versuch auf der Seite der Arbeiterschaft stehen würden. Aber die radikale Gruppe ist nicht nur in sozialer Beziehung radikal, sie ist auch radikal in ihrer politischen Konzeption. Diesen Radikalismus vertreten wir auch heute (Zurufe von rechts: Darum wählt Ihr Weizmann!). Wie wir wählen, werden Sie später sehen. Wir sind durchdrungen von der Notwendigkeit starker politischer Aktionen. Wir sind der Meinung, daß die politische Situation des Weltjudentums sehr unbefriedigend und ernst ist. Ich stehe nicht auf dem Standpunkt, daß die Zionistische Organisation heute noch die Möglichkeit hat, sich mit dem Problemen der jüdisch-politischen Arbeit in der ganzen Welt zu befassen, und trete daher für einen jüdischen Weltkongreß ein, der diese Fragen zu behandeln haben wird. Aber da die politische Arbeit für Erez Israel abhängig ist von der politischen Lage in der Welt, ist es verständlich, daß das, was sich heute in der Welt, besonders in Deutschland abspielt und was morgen auch auf andere Länder übergreifen kann, daß die tragische Aktualisierung der jüdischen Frage einerseits, die Stellungnahme der Mandatarmacht zu uns andererseits, für uns einen besorgniserregenden Zustand darstellen. Ich betrachte das, was England tut, nicht bloß als eine formale Verletzung, sondern als eine Ignorierung des welthistorischen Sinns des Mandates. Wenn im englischen Parlament von der Palästina-Anleihe die Rede ist und man in diesem Zusammenhang von 800 „displaced" Arabern redet, warum sagt man nicht ein Wort von den Zehntausenden der „displaced" Juden, für die Palästina bestimmt ist? Es ist eine Reihe von ungünstigen Verordnungen in Erez Israel erlassen worden, vereint mit programmatischen Erklärungen von englischer offizieller Seite, ferner Bemerkungen des Vertreters der Mandatarmacht, die zeigen, daß wir weit davon entfernt sind, daß die Regierung als Mandatarmacht den Zusammenhang zwischen dem jüdischen Weltproblem und Erez Israel als dessen Lösung richtig begreife und danach handle. Ich will die Exekutive nicht im einzelnen kritisieren,, aber die Haltung der Organisation und der Exekutive in den letzten Monaten, seit den Geschehnissen in Deutschland, war nicht sehr überwältigend. Rubaschow hat das vielleicht im Sinne gehabt, als er vom Versagen der