Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 268)
- Language
- German, English, Hebrew
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268 S. Kongreßsitzung: Generaldebatte tungsartikeln, sogar in einem offenen Brief an den Vorsitzenden des Kongreßgerichtes die Frage gestellt, woher denn die Zehntausende von Stimmen gekommen seien, man habe nirgends den Misrachi bei der Arbeit getroffen. Wir sind deswegen nicht mit Euch zusammengetroffen, weil Ihr in unsere Schulen und Bathe-Midraschim nicht kommt. Wir haben niemanden beleidigt, aus keiner jüdischen Tragödie Kapital geschlagen (Beifall). Als man Euch (nach rechts gewendet) am Reden hat hindern wollen, haben wir es nicht zugelassen (Unruhe). Wir sind in kein Ministerium um Schutz bitten gegangen, sondern haben ehrlich und brüderlich unsere Aktionen unter den Juden durchgeführt. Und wenn manche mit unserem Siege nicht zufrieden sind, so müssen sie sich schließlich doch an den Gedanken gewöhnen, daß die jüdische Orthodoxie sich immer mehr emanzipiert und sich von jenen befreit, welche sie als Störer der jüdischen Einheit betrachtet. Im Namen der Zehntausende jüdischer Wähler und im Namen jener Zehntausende, welche wir in die Reihen des Zionismus bringen können, müssen wir von dieser Tribüne aus den Zionismus warnen. Der Weg, den er geht, ist falsch und kann nicht zum großen Ziele führen. Vor etwa dreißig Jahren, als wir den großen Herzl fragten, wie er sich zum jüdischen Glauben, zu den jüdischen Heiligtümern stelle, war seine Antwort, die zionistische Bewegung sei diesen Dingen gegenüber neutral. Eine solche Neutralität konnte das religiöse Judentum nicht zufriedenstellen. Es hatte das Recht, von der zionistischen Bewegung zu verlangen, daß sie sich zu den Heiligtümern, zu den kulturellen Werten des jüdischen Volkes positiv einstelle. Aber Neutralität schafft den Boden für Zusammenarbeit. Sie bedeutet, daß man mit den Gefühlen der Anderen rechnet und ihnen Achtung entgegenbringt, selbst wenn man anders denkt. Aber leider müssen wir konstatieren, daß die Neutralität der zionistischen Institutionen gegenüber den religiösen Heiligtümern der Neutralität Bethmann-Hollwegs gegenüber Belgien gleicht. Leider müssen wir konstatieren, daß auch manche Resolutionen, die auf Kongressen angenommen wurden, nicht mehr sind als ein Fetzen Papier. Leider müssen wir konstatieren, daß bei den meisten Institutionen, die von der Zionistischen Organisation geschaffen wurden, keine Achtung vor den heiligsten jüdischen Gesetzen besteht. Während der Weltkonferenz des Misrachi ist auf der Tribüne ein Mann gestanden, der zu den ältesten Veteranen des Zionisimus gehört, der den Zionismus mitgeschaffen hat und Sekretär von Rabbi Samuel Mohilewer gewesen war; mit Tränen in den Augen erzählte er, wie gerade in der Kolonie, die den Namen Mohilewers trägt, in Gan Schmuel, die göttlichen Gebote verletzt werden, und er hat Ussischkin gebeten, der Kolonie diesen Namen wegzunehmen. Die jüdische Arbeiterschaft kämpft für ihr Recht auf Arbeit und wir sind alle bereit, mit allen Möglichkeiten diesen Kampf zu unterstützen. Aber wie kann man das tun, wenn in einem Regierungsvertrag, bei dessen Abschluß auch ein Vertreter der Exekutive anwesend war, die Arbeit so geregelt wird, daß die Arbeiter auch am Sabbath arbeiten müssen! Der Misrachi hat sich an die Exekutive gewendet