Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 267 (sequence 267)
- Language
- German, English, Hebrew
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Schechtmann, Brod 267 Zeit, in der infolge der schrecklichen Tragödie eine gute „Konjunktur" für den Zionismus entstanden ist und er das gesamte jüdische Volk für Palästina gewinnen könnte, fehlt leider die messianische Idee in dem Zionistischen Kongreß. Leider bekommt man den Eindruck, daß hier der Zionismus seines Schwunges beraubt wurde und daß es sich hier nur um einen Kampf um die Büchse handelt. Und dies gilt nicht nur in Bezug auf den Kongreß. Ich komme aus einem Lande, in dem etwa 400.000 Schekalim verkauft wurden. Ich habe die ganze Wahlkampagne mitangesehen. Es wurde aber in dem gesamten Wahlkampf kein einziges großes Wort laut. Es war kein Kampf um Ideen,, wie man es einst im Zionismus gewöhnt war. Es war ein Kämpf um Business, Interessen, Zertifikate und die Büchse (Beifall). Ein Ideenkampf bringt Klarheit und Reinheit, begeistert die Massen und gibt ihnen einen Aufschwung. Ein materialistischer Kampf, ein Kampf für Business und Interessen führt nur zu Haß, zu Feindschaft, zu Verachtung (Beifall). Und das ist eine der größten Tragödien im Zionsimus, daß man in unsere Reihen Haß und Feindschaft getragen hat. Das ist sehr gefährlich, denn es kann zum Dynamit werden und unsere gesamte Bewegung in die Luft sprengen. Es ist eine traurige Erscheinung, wenn auf der Straße eine Gruppe in geschlossener Formation vorüberzieht und man aus einem Fenster schreien hört: „Pfui Jabotinsky!" Es ist ein ungeheures Verbrechen, unsere Jugend mit Verachtung, Haß und Feindschaft zu nähren. Es ist dieselbe niederträchtige Erscheinung, wenn in einem anderen Lager der Ruf „Pfui Hapoel!" ertönt. Mit Verachtung, Feindschaft und Haß kann man nur zerstören, aber nicht aufbauen und Produktives schaffen (Beifall). Ich muß noch etwas zur Illustrierung meiner Worte anführen: Vor etwa zwei Wochen tagte in Krakau eine Weltkonferenz der Misrachi. Als polnischer Bürger bin ich stolz zu konstatieren, daß es im Laufe der fünf oder sechs Tage, in denen die Konferenz tagte, nie vorkam, daß ein Nichtjude einen Juden auch nur mit einem Worte beleidigte. Aber eines Freitag abends, als wir auf der Straße gingen, stand eine Gruppe Jugendlicher, die zu einem gewissen Lager gehören (Rufe seitens des Misrachi: Sag' es doch: zum Haschomer Hazair!) und hat uns mit Beschimpfungen und Beleidigungen empfangen, wie sie sich kein Nichtjude erlaubt hat (Rufe: Hört, hört!). Das ist eine Folge des Hasses und der Feindschaft, die Ihr unter Eurer Jugend säet. Ihr •müßt Euch wohl überlegen, ob Ihr nicht einmal unter den Geistern leiden werdet, die Ihr jetzt heraufbeschwört (Beifall). Wir Misrachisten sind stolz darauf, daß wir die Wahlkampagne mit reinen Mitteln geführt haben. Wir haben uns vom Strom nicht mitreißen lassen, wir sind der jüdischen Tradition treugeblieben und haben einen reinen Ideenkampf geführt, ohne Haß, ohne Verachtung, ohne eine andere Richtung zu beleidigen. Und Zehntausende von Juden haben mit ihren Schekalim ihren starken Willen manifestiert, daß ihre Vertreter auf dem Kongreß ihre Postulate vorbringen. Das war manchen Leuten aus anderen Gruppen nicht recht, und man hat in verschiedenen Zei-