Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 256)
- Language
- German, English, Hebrew
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256 8. Kongreßsitzung: Generaldebatte Spitze der Regierung, aber die Wirtschaft war kapitalistisch"; und weiter: „An dieser tragischen Lage ist die deutsche Sozialdemokratie und mit ihr die deutsche Republik zu Grunde gegangen. Der Sozialismus kann sich nicht in der Regierung behaupten, wenn er die Wirtschaft nicht zu sozialisieren vermag. Das Proletariat kann nicht dauernd eine kapitalistische Wirtschaft beherrschen." Meine Herren, man mag dem Sozialismus negativ oder positiv gegenüberstehen; ich glaube aber, daß auch unsere sozialistischen Gesinnungsgenossen nicht ernstlich behaupten werden, daß wir in der Periode des Aufbaues in Palästina, daß wir vor Erreichung einer jüdischen Majorität und der politischen Unabhängigkeit in der Lage sein werden, die Wirtschaft in Palästina zu sozialisieren oder die Sozialisierung von den Arabern oder Engländern zu erzwingen. Wir bauen Palästina in wirtschaftlicher und politischer Abhängigkeit von fremden Faktoren sowohl politischer wie wirtschaftspolitischer Art und müssen es so bauen, wie es nach den gegebenen Verhältnissen am leichtesten und am schnellsten geschehen kann. Von den Bestebungen unserer Arbeiterpartei haben daher nur jene praktischen Wert für die Arbeiter, welche auf die Erzielung guter Arbeits- und Lebensbedingungen gerichtet sind. Diesen Teil des Programmen haben wir längst als unser zionistisches Programm verkündet und verwirklicht, bevor es noch eine Arbeiterbewegung im heutigen Sinne gegeben hat, und der Allgemeine Zionismus steht fest zu diesem Programme als einem wesentlichen Teile unseres nationalen Aufbaues. Unsere sozialistische Presse macht es sich sehr leicht, wenn sie alle, welche die sozialistischen und klassenkämpferischen Erschwerungen unseres Aufbauwerkes nicht akzeptieren, als Arbeiterfeinde oder Arbeitergegner darstellt. Das mag vielleicht ein gutes Wahlmanöver sein, in einer ernsten Auseinandersetzung jedoch kann diese parteipolitische Phrase nicht standhalten. Wir werden immer für Schutz der Lebens¬ und Arbeitsbedingungen aller Arbeiter und für soziale Gerechtigkeit eintreten und kämpfen. Das kann uns aber nicht hindern, den schädlichen Wirkungen der gegenwärtigen politischen Herrschaft des linken Flügels unserer Bewegung entgegenzutreten und die Gefahr zu erkennen, die in der Tendenz liegt, unser Volk in einander bekämpfende Klassen zu zerreißen. Wir verlangen eine Politik der nationalen Einheit und des klassenlosen Volksinteresses. Wir verlangen Gleichberechtigung, das ist das gleiche Recht eines jeden Juden auf Palästina, wenn er dem Lande irgendwie nützlich sein kann. Wir müssen unserem Volke im Galuth ein Bild des neuen nationalen Lebens in Palästina geben. Ein Bild des Bürgerkrieges, der Klassenzerklüftung, der Klassenherrschaft ist nicht geeignet, die moralischen und materiellen Kräfte des gesamten Volkes für Palästina zu mobilisieren. Wir wollen, daß nach Erez Israel nicht nur jene gehen, welche die Not hintreibt, sondern alle, welche Energie, Arbeitskraft und Kapital haben. Nur eine einheitliche Bewegung, getragen von der zionistischen Kraft des ganzen jüdischen Volkes, wird uns in den Stand setzen, die