Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 250)
- Language
- German, English, Hebrew
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250 8. Kongreßsitzung: Generaldebatte waltung Palästinas neuerdings anerkannt. Wir erheben dagegen entschieden Einspruch und betrachten diesen Zustand nicht nur als ungerecht, sondern auch als antizionistisch. Wenn die Mandatarmacht zum Beispiel für 800 angeblich im Laufe von fünfzehn Jahren unserer Kolonisationstätigkeit vom Lande verdrängte Fellachen eine „Displaced Arabs'*-Politik einführt und sie zur ständigen Richtlinie ihres Verhaltens machen will, so kann man sich schwer des Eindruckes erwehren, daß es sich hier mehr um politische Demonstrationen im Sinne der arabischen Exekutive als um wirkliche Hilfe für notleidende Fellachen handelt. Wir haben nichts gegen eine solche Hilfe, aber warum nur für diese paar Hundert Fellachen 250.000 Pfund ausgeben? Warum schreitet die Regierung nicht ebenso an die Schaffung eines Fonds für die „displaced Arabs", welche durch den Hafenbau in Haifa ebenfalls zu Hunderten brotlos geworden sind? Warum nicht ebensolche Fonds für notleidende Teile der jüdischen Bevölkerung? Zu den wichtigsten und dringendsten Klagen, die wir gegen die Mandats Verwaltung erheben, gehören die Immigrationsbeschränkungen und die Immigrationsvorschriften, welche zusammen eine für uns unerträgliche Immigrationspolitik ergeben. Seit Jahren verlangen wir vergeblich eine Aenderung dieser. Politik. Die gegenwärtige Periode des großen wirtschaftlichen Aufschwunges in Palästina hat den Nachweis erbracht, daß die geltenden Vorschriften die wirtschaftliche Entwicklung des; Landes hemmen und keine geeignete Grundlage sind zur Durchführung einer Immigrationspolitik im Sinne des Mandates. Wir verlangen die Abschaffung des Zertifikat-Systems und Regelung der jüdischen Einwanderung durch Uebergabe eines mehrere Jahre umfassenden Kontingentes von Einreisebewilligungen für Einwanderer ohne Mittel oder mit sehr beschränkten Mitteln an die Exekutive der Jewish Agency. Der unwürdige Handel, welcher alle sechs Monate vor sich geht und nie mit einer gerechten, dem Wirtschaftsleben entsprechenden Alija-Quote endet, dieses Hin- und Herfeilschen um jeden Einwanderer, welcher nach Ansicht des Immigrations-Departments auch mit beschränkten Mitteln eine Existenz im Lande finden kann, ruft die größte Nervosität in den Galuthländern hervor, macht eine planmäßige Immigrationspolitik der Jewish Agency unmöglich, führt zu unnötigen Reibungen zwischen Jewish Agency und Mandatarmacht und hemmt unsere Entwicklung in Palästina. Die englische Regierung hat immer behauptet, daß für ihre Immigrationspolitik lediglich wirtschaftliche Momente und die Aufnahmsfähigkeit des Landes maßgebend seien. In den letzten zwei Jahren hat aber alle Welt klar gesehen, daß unsere Immigration entgegen den Bedürfnissen des Wirtschaftslebens aufs Unerträglichste gedrosselt wurde. Wir standen jedes Mal nach Empfang und Verbrauch der. Hälfte der von uns geforderten Zertifikate vor einem drückenden Mangel an Arbeiterhänden in Palästina. Eine solche Politik der Mandatarmacht, welche sich in einer Zeit der von uns geschaffenen großen Prosperity gegen das Wachstum des Jüdischen Nationalen Heims auswirkt, ruft die größte Erbitterung und Enttäuschung des jüdischen Volkes hervor.