Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 249)
- Language
- German, English, Hebrew
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Mereminski u. a.y Schmorak 249 MEIR GROSSMANN: Ich schlage vor, der Kongreß möge die Dringlichkeit unserer Interpellation beschließen und von der Exekutive im Laufe des morgigen Tages eine Antwort verlangen. BERL LOCKER (Mitgl. d. Ex.): Die Interpellation, die Herr Großmann vorgebracht hat, hat mit keiner Aktion oder Verhandlung zu tun, die von der Exekutive geführt wurde oder zu der die Exekutive Auftrag gegeben hat. Die Exekutive hatte infolge des Sabbath noch keine Gelegenheit zu einer Sitzung zusammenzutreten. Sie wird aber auf ihrer nächsten Sitzung die Interpellation behandeln und dem Kongreß mitteilen, ob sie ihre Informationen in der betreffenden Angelegenheit dem Kongreß oder einer Kommission vorbringen will. VORS. PRÄS. MOTZKIN: Wir nehmen die Erklärung der Exekutive zur Kenntnis; ich will nur bemerken, daß formell die Exekutive das Recht hat, eine Antwort zu erteilen oder es zu unterlassen. Jetzt wird die Generaldebatte fortgesetzt. Dr. EMIL SCHMORAK (Allg., A.C. — spricht jüdisch): In seinem Referat hat uns Professor Brodetsky ein Bild der politischen Situation gegeben, wo im allgemeinen die Licht- und Schattenseiten gerecht verteilt waren. Er hat es jedoch unterlassen, vielleicht mit Absicht, eine Bilanz aus dieser Situation zu ziehen. Das ist aber die Aufgabe und die Pflicht des Kongresses. Wir haben heute keine so aufgeregte politische Stimmung, wie dies auf dem 17. Kongresse der Fall war. Der gehässige und offen antizionistische Kurs der Regierung Paßfield-Chancellor ist nicht vorhanden und wir können eine Besserung in den Beziehungen zwischen Mandatarmacht und Jewish Agency feststellen. Aber alle positiven Momente des neuen politischen Kurses zusammengenommen ergeben noch nicht annähernd jenes Minimum von politischen und wirtschaftlichen Bedingungen, welches wir von jeder Mandatarmacht fordern und, wie wir glauben, zu fordern berechtigt sind. Es ist richtig, daß die Erdrosselungsgefahr, welcher wir unter dem Regime Paßfield unmittelbar ausgesetzt waren, gegenwärtig nicht besteht, aber wir leiden noch immer unter einer sehr großen Atemnot, die behoben werden muß, wenn das Vertrauen zur Mandatsregierung voll hergestellt und die Grundlagen für eine aufrichtige Kooperation geschaffen werden sollen. Wir befinden uns noch immer im Banne des unglückseligen Weißbuches von 1930, und trotzdem das Leben und die objektiven Untersuchungen und Forschungen vor aller Welt klar und deutlich erwiesen haben, daß alle Voraussetzungen dieses Weißbuches falsch oder sehr übertrieben waren, hat die Mandatarmacht nicht daran gedacht, das große Unrecht dieses Weißbuches durch Veröffentlichung eines neuen politischen Dokumentes gutzumachen. Im Gegenteil: durch die Veröffentlichung des French-Berichtes und durch Vorschläge der Regierung, die zwar nicht alle, aber manche wesentlichen Ratschläge des French-Berichtes befolgen, hat die Mandatarmacht das Weißbuch als Quelle und Basis für politische und administrative Richtlinien der Ver-