Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 236)
- Language
- German, English, Hebrew
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236 7- Kongreßsitzung: Generaldebatte wurde mit der Bewilligung einer solchen Minimalzahl an Zertifikaten geantwortet, die weder der Kapazität Erez Israels, noch der Not der jüdischen Bevölkerung in der ganzen Welt, besonders in Osteuropa, ganz und gar nicht aber der tragischen Katastrophe des Judentums in Deutschland angemessen ist. Man hat über diese Katastrophe im britischen Parlament rührende Worte gesprochen und Versprechungen gemacht, aber all das hat in Taten kein Echo gefunden. Die größere Quote, die man für die deutschen Juden bewilligte, ging auf Rechnung von polnischen, rumänischen und anderen Juden, die sich fast alle in der gleichen wirtschaftlichen Notlage befinden^ wenn auch nicht aus der gleichen Ursache. Die Katastrophe in Deutschland^ die nach dem Ruin des Judentums in Rußland abermals eine große und starke jüdische Gemeinschaft zum Untergang führt, diese politische Katastrophe zusammen mit der ökonomischen Katastrophe des Ostjudentums stellt uns geradezu vor die ungeheuer schwere Frage nicht der Alija, sondern des organisierten Exodus aus den genannten Ländern. Wie Dr. Ruppin in seinem Referat darlegte, muß wegen der politisch-rechtlichen Verfolgungen, wegen der Liquidation der Gleichberechtigung und Gleichstellung die Hälfte der deutschen Juden Deutschland verlassen und man muß trachten., diesen Exodus zu organisieren. In Osteuropa haben wir es nicht mit einer solchen Katastrophe zu tun. In diesen Ländern haben wir die Gleichberechtigung nur auf dem Papier und sind von der Gleichstellung noch sehr weit entfernt. Wir haben es in diesen Ländern mit einem Verdrängungsprozeß zu tun, einem Prozeß der Pauperisierung, dessentwillen eine ungeheuere Menge von Juden aus diesen Ländern abwandern muß. Ich habe einmal von einer Million Juden gesprochen, die in Polen keinen Platz mehr haben. Man hat mir das sehr übel genommen. Aber jetzt wird niemand mehr zu behaupten wagen, daß nur eine Million Juden fort muß. Derselbe Prozeß geht auch in anderen Ländern Osteuropas vor sich. Man kann annehmen, daß die Zahl der verdrängten Juden, die ihre Wohnländer verlassen müssen, weitaus größer ist. Das setzt uns einem ungeheueren Druck aus, und alle unsere Palästinaämter, alle unsere Organisationen in diesen Ländern bekommen diesen Druck zu spüren. Es scheint, daß wir ihn nicht aushalten, daß wir unter ihm zusammenbrechen werden, und deshalb stehen die Fragen der Alija, des organisierten Exodus, in der vordersten Reihe unserer Aufmerksamkeit und Tätigkeit. Deshalb, werter Kongreß, verschärft sich immer mehr der Kampf, der innere Kampf um die Möglichkeit, nach Erez Israel auszuwandern, und dieser Kampf bildet heute immer mehr den faktischen Inhalt unseres zionistischen, unseres jüdischen Lebens, er schafft die meisten und wichtigsten Streitfragen. Früher drängte sich nach Erez Israel nur jener Teil unserer Jugend, welcher früher als alle anderen Teile des jüdischen Volkes fühlte, daß ihm die Wege zu Arbeit, zu gesicherter Existenz, zu einem anständigen jüdischen und menschlichen Leben versperrt sind. Dieser Teil der Jugend wurde im Zusammenhang mit diesen Nöten, von denen er sich vielleicht keine Rechenschaft gab, unter dem Ein-