Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 232)
- Language
- German, English, Hebrew
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232 J. Kongreßsitzung: Generaldebatte verlangen? Noch einen Fall muß ich hier erwähnen; er ist vielleicht nicht wichtig, er wirft aber ein bezeichnendes Licht auf die Beziehung zu dieser Frage. Als zum letzten Chanuka der Magistrat von Tel Aviv beschloß, die Kinder vor dem Fest beim Tempel zu versammeln, da protestierten die Arbeiter dagegen, damit ja keine Spur von Religion im Wesen des Chanukafestes erhalten bleibe. Kann man bei solchen Bedingungen noch politische Achtung und gegenseitiges Verständnis verlangen? Man spricht viel von Alija und jeder sagt, das sei die Grundlage unserer Bewegung. Aber die Zeit ist bereits da, wo auch in dieser Frage alle verstehen, daß schöne Worte allein nicht genügen. Ben Gurion sagte: Wollen wir denn nicht, daß das ganze Volk erlöst werde? Gewiß wollt Ihr das, und niemand zweifelt daran, daß Ihr Arbeiter, die Ihr so viel getan habt und so viel Erfolg auf Eurem Wege hattet, die Erlösung des Volkes wollt. Es gibt aber Menschen, die zwar die Erlösung des Volkes, nicht aber die Erlösung aller Juden wollen. Und man sagt, das Volk werde bestehen bleiben, auch wenn nicht alle Juden nach Erez Israel kommen werden. Man spricht viel über die Fehlerhaftigkeit des Alijasystems. Mußte es aber so weit kommen, daß selbst der Hapoel Hamisrachi, der Euch Genossen nennt, sich darüber beklagt, daß einem misrachistischen Chaluz, wenn er ins Land will, alle Wege und Ämter geschlossen sind? Ist das recht so? (Beifall.) Und sieht es nicht ebenso mit dem Mittelstand aus? Glaubt nicht, daß ich den Mittelstand für viel religiöser halte als die Arbeiter. Genau so wie der Arbeiter um der Arbeit willen auf den Sabbath verzichtet, so wird auch der Mittelstand dem Erwerb zuliebe den Sabbath entweihen. Aber das ist der Unterschied zwischen Euch und uns. Auch wir wollen ein nationales, religiöses und vollkommenes Palästina. Aber wir sagen: es sollen alle Juden nach Palästina kommen, und wir werden versuchen, sie zu erziehen und sie zu beeinflussen. Man darf sich aber nicht an den Toren Palästinas hinstellen und sagen, dieser dürfe hereinkommen und der andere nicht (Beifall). Und wenn eine Anzahl von Zertifikaten für den Mittelstand verwendet wird, warum das Geschrei? Muß man denn über den Mittelstand herumstreiten? Warum sollte es nicht klar sein, daß ein jeder Jude nach Palästina hereinkommen muß? Die Leute des Mittelstandes, die 200 oder 500 Pfund mitbringen, schaffen nicht nur eine Existenz für sich selbst, sondern beschäftigen auch andere Personen. Warum diese Engherzigkeit? Als nach dem X VII. Zionistenkongreß die Portefeuilles der Exekutive verteilt wurden, war es eigentlich selbstverständlich, daß man das Ressort der Immigration einem Zionisten übergebe, der selbst für eine große Einwanderung kämpft und nach ihr strebt. Ich will nicht nur die Mitglieder der Exekutive beschuldigen. Es bestand eine Koalition, und die Parteien haben ihre Vertreter festgesetzt. Es ist deshalb auch Schuld der Parteien, daß die Angelegenheiten der Immigration nicht diesem oder jenem Zionisten übergeben wurden, sondern einer Person, die offiziell außerhalb der Zionistischen Organisation stand und inoffiziell gar nicht für eine große Einwanderung war. Und das wird Politik und Zionismus genannt. Wie kann man einem solchen Menschen das Heiligste des Zionismus, die