Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 231)
- Language
- German, English, Hebrew
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Berlin 231 Diese Tatsache ist fast noch ärger als das Unglück selbst. Sie erschüttert unsere politische Position mehr als jedes Unglück. Die Meinung des Misrachi, die ich hier vorbringe, wird durch das, was geschieht, vollauf bestätigt. Wir haben immer gesagt, daß es unmöglich ist so zu reden, wie heute der geehrte Redner der Arbeiterpartei gesprochen hat. Er hat zwar mit Achtung über das religiöse Gefühl gesprochen, aber wenn er sagt, diese Dinge müßten oline Politik getan werden, so ist da,s wieder der alte Fehler. Wir als Zionisten und als Politiker dürfen nicht so reden wie die Tempeljuden im Galuth sprechen, die erklären, daß die Dinge des Glaubens eine Sache für sich seien und die Politik auch eine Sache für sich. Politik steht nicht außerhalb des Lebens, sie ist ein Mittel, das zu erreichen, was man will. Wenn religiöse Erkenntnis das Leben beherrscht, dann muß auch die Politik davon durchdrungen sein. Wir glauben natürlich, daß infolgedessen die Politik jüdischer, wahrer, nationaler, heiliger sein wird. Wenn wir verstünden, die zionistische Bewegung nicht nur auf eine Politik zu stellen, die den Juden die jüdische Seele raubt, sondern wenn die Politik auf jüdischen Geist, auf jüdische Reinheit und Heiligkeit gegründet wäre, dann würden wir nicht zu solch traurigen Ergebnissen gelangen. Es würde unter uns nicht ein solcher Haß herrschen, der nach außen zu den anderen dringt. Wenn man mit der Regierung über Fragen der Religion und der Erziehung spricht, so weiß der Beamte, daß viele diese Dinge mißachten. Das wäre nicht möglich, wenn die Methode des Misrachi auch für die zionistische Politik die Grundlage bildete. Ich glaube nicht, daß es hier Menschen oder Parteien gibt, die auf ihre Prinzipien verzichten wollen, aber die Frage ist nicht: Was ist Verzicht und wer verzichtet? Auf die Tendenz kommt es an. Es gibt wohl Menschen, die überhaupt nicht verzichten, aber wahrscheinlich ist dann das, was sie erstreben, zu geringfügig, als daß es dabei überhaupt noch einen Verzicht geben könnte. Und deshalb wende ich mich an meine Freunde von links und sage ihnen in aller Freundschaft und im Namen der erhabenen Bewegung, die uns alle umschließt: Wenn wir mit Vorwürfen zu Euch kommen, sogar mit nicht geringen Vorwürfen, so geschieht es nicht, weil Ihr vieles Religiöse oder Nationale geringschätzt und darauf Verzicht leistet, denn wir wissen, wie Ihr für die Sache kämpft, die Euch heilig ist; sondern weil Ihr in religiösen Sachen so wenig verlangt, daß es da überhaupt keinen Verzicht mehr gibt. Aber das Judentum verzichtet nicht, es strebt zur Ganzheit und begnügt sich nicht mit kleinlichen Nebensächlichkeiten. Wie oft schon sprachen wir über den Sabbath. Gibt es unter uns Gegner des Sabbath? Aber als die Aussicht bestand, in Jerusalem eine Regierungsarbeit zu bekommen, wo am Sabbath gearbeitet werden mußte, da gab unsere oberste Instanz in Jerusalem ihre Einwilligung und gab damit der Regierung ein Argument gegen unsere Forderung auf Einhaltung der Sabbathruhe in die Hand. Es darf nicht so weitergehen, daß über Fragen religiöser Haltung Leute zu entscheiden haben, die selbst nicht daran glauben und durch ihre Weisungen zur Störung des Sabbaths beitragen. Kann man dann Achtung und Respekt von der anderen Seite