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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1934-01-01 · 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933 · p. Seite 230

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
Date
1934-01-01
Page
Seite 230 (sequence 230)
Language
German, English, Hebrew
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230 7- Kongreßsitzung: Generaldebatte Gesichtspunkte aus sollten wir aut dem XVIII. Zionistenkongreß unsere Lage behandeln. Wie ist die Lage heute? Das ist die Hauptfrage, die wir uns stellen müssen. Diese Lage muß vor uns stehen in ihr.em ganzen Umfange, nicht nur von der einen oder der anderen Seite her. Die Politik ist eine der wichtigsten Grundlagen unserer Arbeit und wir müssen uns leider eingestehen, daß durch die politische Situation vieles schlechter geworden ist gegenüber den Bedingungen von gestern und noch mehr gegenüber den Bedingungen von heute. Ich kann nicht sagen, ob diese oder jene Methode schuld ist, und will nur die Tatsachen hervorheben. Was in den letzten Tagen geschehen ist, die Bodengesetzgebung, Beschränkung der Alija, Veröffentlichung des French-Berichtes, die Tatsache, daß man von einer gesetzgebenden Körperschaft redet (und es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie kommt; man hat uns ja versprochen, daß der French-Bericht nicht veröffentlicht werden wird, und nun ist er doch veröffentlicht worden, so daß wir also auch hier kein Vertrauen haben dürfen), all das zeigt uns deutlich, daß wir nicht nur äußerlich an Macht verloren haben, sondern daß wir auch innerlich in unserem zionistischen Gewissen gesunken sind. Wären noch vor zwei oder drei Jahren alle diese Dinge so unmittelbar hintereinander geschehen, dann wären wir erregt gewesen, hätten geschrien und unsere Stimme wäre hörbar geworden bis zu den höchsten Stellen. Wir sind innerlich gesunken, weil wir fast gar nicht spüren, wie furchtbar die Lage ist. Brodetsky hat davon gesprochen, daß am Anfang der Kongreßperiode der Wechsel der Regierung in Palästina vielversprechend war. Offenbar haben wir uns geirrt, und wir müssen uns fragen, warum dies plötzlich so gekommen ist. Haben wir uns wirklich geirrt, oder hat der Mann, der von England nach Erez Israel entsendet wurde, nach einiger Zeit, die er im Lande zugebracht hat, sich geändert? Die Sache ist sicher einer kritischen Analyse von unserer Seite wert, und ich fürchte mich nicht zu sagen, was ich empfinde. Wenn dieser Mann gesehen hätte, daß unsere Gemeinschaft in Erez Israel, die eine kleine Gemeinschaft ist, klein gegenüber dem ganzen Volke, einig ist, dann hätte das auf ihn Eindruck gemacht. So aber muß dieser Mann, wenn er Vernunft hat, sehen, daß nicht nur im Jischuv, sondern in der zionistischen Welt überhaupt, die Meinungen, die Bestrebungen, ja die Taten geteilt sind. Ich weiß zum Beispiel: wenn man jemandem von der Regierung über unsere großen nationalen Werte spricht, die zum großen Teil religiöse Werte sind, so fragt er: „Sprichst du im Namen des ganzen Zionismus oder nur eines Teiles?" Diese Frage wird deshalb gestellt, weil große Teile der Bewegung sich um diese Werte nicht kümmern, ja sie mißachten. Das gilt nicht nur vom religiös-nationalen Wert, sondern auch vom politischen Wert. Was sich in den letzten Monaten bei uns entwickelt hat, das hat unsere Bedeutung in den Augen der Regierung vermindert. Nach dem großen Unglück, das uns getroffen hat und an dem wir alle mit Erschütterung Anteil nehmen, ist es besonders schmerzlich, daß infolgedessen Streit, nicht nur Streit, sondern sogar Haß und Feindschaft unter uns selbst entstanden sind.

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