Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 225)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ben Gurion 225 durch gesetzgeberische Maßnahmen zu beschränken, der Aufbau weitergeht. Vielleicht werden morgen die politischen Schwierigkeiten noch größer sein als heute. Trotzdem aber wächst die Zahl der Menschen, die in Palästina arbeiten. Gerade jetzt halten wir es für unsere Pflicht, dem jüdischen Volke zu sagen, daß die Aufgabe, die vor uns steht, ungeheuer schwer ist und nicht zu vergleichen ist mit dem, was alle anderen Völker zu leisten haben. Es liegt eine große Schwierigkeit darin, daß wir bei den Völkern der Welt unverstanden und unbeliebt sind. Tausende von Jahren hat man uns verfolgt und gehaßt, und das kann nicht im Handumdrehen geändert werden. Es wird nicht dadurch geändert, daß man uns Sympathien zum Ausdruck bringt. Wir stehen in der ganzen Welt einer Mauer gegenüber, wir begegnen einem völligen Mißverständnis gegenüber unserem Wesen und den Bestrebungen unseres Volkes. Der schwere Kampf, den wir zu führen haben, wird nicht durch starke Worte, nicht durch Deklamationen geführt. Wir müssen aber versuchen, unsere nationalen Forderungen und Rechte vor dem internationalen Gewissen und der internationalen Öffentlichkeit, von der England nur ein Teil ist, wirksam zu proklamieren. Wir werden es am besten tun, wenn wir zeigen, was wir in Erez Israel zu leisten fähig sind und was Erez Israel für uns zu leisten fähig ist. Darum ist es unsere Pflicht, mit aller Macht gegen politische Großrednerei zu kämpfen. Unsere Arbeit in Erez Israel ist das wichtigste politische Kampfmittel gegenüber der Mandatarmacht und der öffentlichen Meinung der Welt. Wir haben große Schwierigkeiten in Palästina, wo seit Generationen eine Bevölkerung lebt, die alles, was wir geschaffen haben, zerstören könnte. Wir sehen die Gefahr und wissen, daß sie nicht durch Zauberformeln und nicht durch Proklamationen zu überwinden ist. Wenn wir nicht in großen Massen ins Land kommen, dann ist unsere Existenz nicht sicher und keine fremde Kraft wird uns sicherstellen. Wir müssen bereit sein, uns selbst zu verteidigen und zu schützen, auf das schlimmste vorbereitet. Aber wir wollen die Mittel der Verteidigung nur dann anwenden, wenn kein anderer Weg mehr da ist. Es wird eine tragische Notlage für uns sein, wenn wir für unsere Verteidigung sorgen müssen. Wir müssen menschliches Verständnis und ein offenes brüderliches Herz für unsere Nachbarn haben, die auf jeden Fall in Palästina leben werden. Wir müssen uns menschlich zu ihnen verhalten. Eine weitere Schwierigkeit ist, daß wir in ein nicht entwickeltes, ein verwüstetes Land kommen, und es ist eine schwere und bittere Arbeit, die ungeheure Anstrengungen braucht, um über diese Verwüstung von zweitausend Jahren hinwegzukommen. Keine Resolutionen können uns helfen, die Sümpfe zu trocknen, die Höhen zu bewalden und die Felder zu bestellen. Dazu braucht es bittere, schwere, hingebungsvolle Arbeit. Dazu kommt, daß das jüdische Volk auf die große und schwere Aufgabe, die der Zionismus ihm auferlegt hat, noch nicht eingerichtet ist. Wir sind im nationalen Sinne das schwächste Volk, wir haben keinen aktiven nationalen Willen, es bedarf großer Anstrengungen, die schöpferischen Kräfte und den aktiven Willen zu entwickeln, durch Arbeit all der großen Schwierigkeiten Herr zu werden und das verwüstete arme Land in die 15