Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 224)
- Language
- German, English, Hebrew
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224 J. Kongreßsitzung: Generaldebatte den wir den Ausweg aus diesem vielleicht schwersten Kulturproblem finden, das, wenn wir nicht mit großem Takt und großer Liebe zum Lande darangehen, unser Werk gefährden und uns in einen vernichtenden Kampf verstricken kann. Noch einige Worte zur Frage des Verhältnisses zu unseren Nachbarn. Es ist heute nicht modern, darüber zu sprechen. Nach den Ausschreitungen im Jahre 1921 gab es keinen Zionisten, der nicht davon gesprochen hätte, man hörte von nichts anderem als von der Ar aber frage. Wenn es aber ruhiger wird, so wie heute, da ist die Araberfrage vergessen, als ob ihr Objekt vom Erdboden verschwunden wäre. Unsere Pflicht ist es, vor der leichtsinnigen Ignorierung dieses Problems zu warnen, denn es ist eines der schwersten und gefährlichsten unseres großen historischen Werkes. Es ist nicht nur die Frage der Million palästinensischer Araber, es ist die große und komplizierte Frage der arabischen Völker, die ein Territorium bewohnen, halb so groß wie Europa. Es ist begreiflich, wenn auch nicht verzeihlich, daß die Zionisten, die doch zum überwiegenden Teil im Galuth leben, die Existenz der Araberfrage nicht kennen. Für uns aber, die glauben, daß der Ort, wo der Zionismus verwirklicht wird, Erez Israel ist, für uns, die wir glauben, daß die Zukunft des jüdischen Volkes nicht in Europa oHer Amerika, sondern in jenem kleinen Lande am Ufer des Mittelländischen Meeres entschieden wird, für uns ist das Problem des Zusammenlebens mit unseren Nachbarn eines der brennendsten. Wir kennen kein Augenblicksrezept für diese Frage. Ebenso wie die Verwirklichung des Zionismus ein schwerer, lang andauernder Prozeß ist, so ist es auch die Lösung dieser Frage. Unsere erste Antwort darauf muß sein: Ständiges Wachsen des Jischuv, Stärkung unserer Kraft, unbekümmert um Störungen, Drohungen und Gefahren. Aber unsere Kraft allein genügt nicht zur Lösung der Frage, und ich glaube nicht, daß es auf der Welt eine genügend große Kraft gibt, die sich erlauben könnte, ein Volk, und sei es noch so klein und schwach, zu ignorieren. Gleichzeitig mit der unaufhörlichen Verstärkung unserer Kraft in Erez Israel müssen wir ehrlich und aufrichtig einen Weg zur Verständigung mit unseren Nachbarn suchen, die auch nicht zufällig oder zeitweilig im Lande sind, sondern genau wie wir von der Geschichte dorthin gestellt wurden und für immer mit uns in diesem Lande bleiben werden. Wir werden dabei auf nichts verzichten, was uns gehört. Wir erstreben die vollständige Erlösung, die volle nationale Selbständigkeit auf allen Gebieten der nationalen Arbeit. Aber wir haben auch Achtung und Verständnis für unsere Nachbarn und werden immer so weit als möglich einen Weg zu finden suchen zur Zusammenarbeit bei jenen Aufgaben, die uns als Arbeiter eines Landes und eines großen Erdteils gemeinsam sind. Das ist das leitende Prinzip unserer Politik gegenüber unseren Nachbarn auf allen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Gebieten. Gerade jetzt, da Erez Israel die einzige Hoffnung der jüdischen Volksmassen geworden ist, ein wichtiger Faktor nicht nur für das Gefühl und die Hoffnung, sondern im realen jüdischen Leben, sehen wir, daß trotz einer Verwüstung von zwei Jahrtausenden, trotz der großen objektiven Schwierigkeiten des Aufbaus, trotz des Versuchs, unsere Arbeit