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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1934-01-01 · 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933 · p. Seite 223

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
Date
1934-01-01
Page
Seite 223 (sequence 223)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Ben Gurion 223 Verschiedenheiten gespalten. Ist trotzdem eine gemeinsame Tätigkeit aller national bewußten Teile des Volkes möglich? Wir sagen: Ja, aber unter einer Bedingung: bei gegenseitiger Achtung der Überzeugungen und des Gewissens jedes Einzelnen. Man muß nicht glauben, was der andere glaubt. Man muß aber den größten Respekt haben vor dem aufrichtigen und tiefen Glauben des anderen. Man braucht kein Sozialist zu sein, um dem ehrlichen Glauben eines anderen mit Achtung zu begegnen, daß der Sozialismus der einzige Weg sei, die leidvollen Fragen von Volk und Menschheit zu lösen. Man muß nicht an alles glauben, was orthodoxe Juden als heilig ansehen, muß aber den tiefsten Respekt vor dem ehrlichen Glauben des anderen haben und durch ehrliche Bemühungen suchen — ich weiß, es ist nicht leicht, es berührt nicht nur die Interessen, sondern, was oft wichtiger ist, die Grundlagen des Gewissens —, einen Weg der Verständigung und gegenseitigen Achtung zu finden, wobei keine Seite durch politische, organisatorische oder numerische Gewalt der anderen etwas aufzuzwingen sucht, was gegen ihr Gewissen ist. Wenn die religiöse Überzeugung von Menschen, die ein anderes Verhältnis als wir zum Judentum haben und glauben, daß sie ehrliche Juden sind, uns nicht als ein Mäntelchen für Politik und Klassenhaß erscheinen wird, sondern als der ehrliche Ausdruck des Glaubens und der Beziehung des Menschen zu seinem Schöpfer, wird jeder von uns, was immer auch seine Überzeugung sei, davor mit tiefer Achtung stehen. Es muß eine Möglichkeit für gemeinsame Arbeit geschaffen werden, daß Juden sich in Erez Israel zu Hause fühlen, daß kein Jude sich in seinem Gewissen vergewaltigt fühle {Zurufe). Ich antworte nicht auf Zwischenrufe. Keine Inquisition darf bei uns herrschen, keine groben Verletzungen dürfen bei uns vorkommen. Als wir mit dem Hapoel Hamisrachi ein Abkommen trafen, hatten wir nicht nur die materiellen Interessen der Arbeiter, die Sicherung einer ehrlichen und direkten Arbeitsverteilung und den Schutz der Arbeitsbedingungen im Sinn, sondern ein viel größeres Interesse allgemein nationaler Art. Wir bemühten uns, einen Weg zu finden, um eine ßrücke zu schlagen zwischen zwei Teilen der jüdischen Jugend, der jüdischen Arbeiterschaft, des jüdischen Volkes, mit verschiedener Anschauung. Und wir betonten das Gemeinsame, das uns vereinigt, nicht das Besondere, das uns trennt. Nicht nur mit dem Hapoel Hamisrachi, sondern mit den großen Massen der jüdischen religiösen Jugend in der Welt schlössen wir dieses Abkommen, der Jugend, die ebenso wie die unsere keine andere Zukunft und Hoffnung hat,' als nach Erez Israel zu kommen und dort als Arbeiter zu leben. Wir fühlen die Schicksals- und Blutgemeinschaft mit allen Teilen des jüdischen Volkes und wollen den Weg finden für eine allgemeine Vereinigung trotz religiöser Verschiedenheit. Es gibt Schwierigkeiten, aber das Gebot der Stunde heißt: Zusammenschluß der Bruchteile des jüdischen Volkes, das nicht nur geographisch über die ganze Welt verstreut ist, sondern auch geistig gespalten ist, auf daß es in Erez Israel zu einer neuen Form gegossen werde, auf daß es in Zukunft in Erez Israel nur ein vereintes erneuertes jüdisches Volk gebe (Lebhafter Beifall). Vielleicht haben wir den Weg noch nicht gefunden. Aber bei aufrichtigem Willen und gegenseitiger Achtung wer-

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