Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 221)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ben Gurion 221 so nehmen wir aus unserem Judentum heraus die Idee von „Acharith Hajamim" ernst, wie sie unsere unsterblichen Propheten verkündet haben. Wir glauben mit unserem ganzen Wesen, daß diese Idee, die messianische Idee von der „Endzeit", verbunden ist mit unserer Arbeit in Erez Israel. Wir glauben in diesem Sinne an die Erlösung des jüdischen Volkes. Man fragt uns, wie wir als Sozialisten zum Privatkapital stehen, wie wir uns zur Privatinitiative stellen. Es ist hier nicht der Ort, die Frage theoretisch zu behandeln. Ich muß mich mit einigen Worten begnügen. Die Frage Kapitalismus und^ Sozialismus wird nicht auf dem Zionistischen Kongreß entschieden und nicht in Erez Israel. Das ist eine Weltfrage. Nicht wir jüdischen Arbeiter werden die Frage im sozialistischen Sinn entscheiden und nicht Ihr allein werdet entscheiden, daß der Kapitalismus bleiben soll. Früher oder später wird die Frage als Weltfrage entschieden werden. Wenn die Welt sozialistisch werden wird, dann kann es nicht gelingen, eine kapitalistische Insel in Erez Israel zu schaffen. Und wird die Welt kapitalistisch sein, dann wird in Erez Israel keine sozialistische Insel bestehen können. Es ist dies keine Frage, um die es nur zwischen uns und Euch geht. Solange auf der Welt der Kapitalismus herrscht — wir hoffen und wünschen, daß seine Herrschaft nicht bleibt —, wird er auch in Erez Israel sein. Für den Zionismus gibt es nur eine einzige Frage, das ist der Aufbau von Erez Israel, so schnell als nur möglich und auf einer so breiten Basis als nur möglich. Das muß uns alle ohne Unterschied der Meinungen in unserer Tätigkeit verbinden. Ich habe auf einer anderen Tribüne, auf der Konferenz der Histadruth in Erez Israel, zu dieser Frage gesprochen und gesagt: Es gibt Juden, die mit Geld kommen und die um ihr Geld zittern, die es in Orangengärten, Häusern usw. anlegen. Ich frage Euch: wenn Ihr die Macht hättet zu entscheiden, ob Ihr sie hereinlassen wolltet, wenn Ihr die Einwanderung kontrollieren könntet, was wäre dann Euer System? Würdet Ihr gegen diese Menschen ankämpfen, oder würdet Ihr unter der Voraussetzung, daß anständige Arbeitsbedingungen bestehen, diese kapitalistische Wirtschaft tolerieren? Bei aller Treue zum Arbeiter werdet Ihr jedesmal, wenn die Entscheidung an Euch herantritt, abwägen müssen, welches die objektiven Möglichkeiten der Wirtschaft sind, welches die richtige Strategie ist und was man fordern darf. Die Privatwirtschaft beruht auf Gewinn, und wir arbeiten in einer Gesellschaftsordnung, wo es Gewinn und Exploitation gibt. Wir können diese Ordnung nicht abschaffen und müssen innerhalb ihrer arbeiten, und der Arbeiter muß seine Arbeit hergeben. Der Arbeiter, dessen Arbeit keine ist, ist ein Parasit und kein Arbeiter. Es ist unsere Klassenpflicht, unsere Arbeiterschaft, welche keine Arbeitstradition hat, zur Arbeit zu erziehen. Wir haben als Arbeiter und Sozialisten die Pflicht, sie so zu erziehen, daß sie ein Verhältnis zur Arbeit an und für sich gewinnen. Für uns ist Arbeit ein großes Ideal, aber zugleich wissen wir, daß in der Praxis die Arbeit schwer und unangenehm ist, besonders dort, wo der Arbeiter nicht als freier, söndern als gedungener in der Privatwirtschaft tätig ist. Es ist Pflicht der Organisation, ihre Menschen so zu erziehen, daß sie wissen, daß Arbeiten eine ernste und schwere Sache ist und ebenso die Wirt-