Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 219)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476290--8626-3484776- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ben Gurion 219 von Klassenunterschieden, frei von Klassenhaß, der nicht die Interessen eines einzelnen oder einer kleinen Gruppe, sondern die Interessen des Aufbaus an die Spitze stellt. Die Zionistische Organisation muß in der organisierten jüdischen Arbeit in Erez Israel, die sich in den Dienst des Aufbauwerkes stellt, eine der Grundsäulen unseres ganzen Aufbauwerkes sehen. Die Verleugnung und Bekämpfung dieser Arbeit und derjenigen, die sie verwirklichen, beweist, daß der Haß jener Leute gegen die Arbeiter, ihr Klassenhaß, stärker ist und ihnen höher steht als ihre zionistische Gesinnung (Beifall). Die schwerste Aufgabe, die jetzt vor uns steht, ist die Zusammenfassung aller Kräfte des jüdischen Volkes und besonders des Zionismus. Wir sind zur Mitarbeit bereit, aber nur auf Grundlage einer bestimmten zionistischen Plattform, eines zionistischen Glaubensbekenntnisses, eines zionistischen konstruktiven Programmes. Das ist eine der organischen Grundlagen des Zionismus, die verwirklicht werden muß, daß jenes Lager, welches den schwersten Teil der zionistischen Verwirklichung, die Arbeit, auf sich genommen hat, in seinen kollektiven Bemühungen von der gesamten zionistischen Bewegung gestärkt werde. Jeden Kampf gegen dieses Lager, unter welchem Vorwand immer er geführt werden sollte, betrachten wir als Untergrabung der nationalen Grundlagen des Zionismus und unseres Aufbauwerkes in Palästina, und wir werden Menschen, die diesen Kampf führen, nicht die Hand reichen. Zur Frage der Chaluziuth gehört auch das Problem, das mit der Arbeitsfrage in Erez Israel verbunden ist: Die Frage der Einwanderung. Wir hören oft, wie man uns von oben herab Patriotismus predigt und „im Gegensatz zu uns" verlangt, daß alle Juden nach Erez Israel kommen sollen. Ich will mich nicht zu der Versicherung erniedrigen, daß wir, hätten wir nicht unseren Willen, das ganze jüdische Volk zu erlösen, und den tiefen, unbesiegbaren Glauben, daß das ganze Volk erlöst werden kann, niemals die übermenschliche Kraft gefunden hätten, jahrelang in unerhört schwerer Arbeit auf der Wacht in Erez Israel zu stehen. Wir wissen aber, daß die Erlösung des Volkes eine sehr schwere Sache ist, und können daher leider nicht jenen bequemen Glauben teilen, daß man die Erlösung des Volkes mit theatralischen Spektakeln und oratorischen Posen beschleunigt. Wir sehen in der Erlösung des Volkes einen schweren, langandauernden Prozeß, der die Anstrengungen des ganzen jüdischen Volkes verlangt, vielleicht sogar mehr als einer Generation. Solange der Zionismus nicht verwirklicht ist, müssen wir im Dienst seiner Verwirklichung, im Dienst Erez Israels stehen, und nicht umgekehrt. Und Erez Israel braucht in dieser Zeit nicht so sehr Emigranten ivie Chaluzim. Der Unterschied ist einfach. Ein Emigrant will von dem Land, in das er geht, nehmen, der Chaluz will dem Lande geben. Wir verlangen daher den Vorrang der Chaluz-Alija im weitesten Umfang des Wortes, genau so wie wir das Wort Chaluz im weitesten Sinn des Wortes verstehen. Das bedeutet nicht nur chaluzische Arbeit, wenn sie auch die Grundlage von Chaluziuth ist, sondern auch chaluzisches Kapital, nationales und privates, chaluzischen Unternehmungsgeist, chaluzische Organisationskraft, chaluzische Wirtschaftsleistungen. In einer solchen chaluzischen