Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 200)
- Language
- German, English, Hebrew
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200 6. Kongreßsitzung: Deutschland-Resolutionen D. ANTRAG DER DEMOKRATISCHEN REVISIONISTEN: Die Machthaber im deutschen Volke haben einen Kampf eröffnet, dessen Ziel die Vernichtung des jüdischen Volkes ist und dessen Formen an Grausamkeit nicht zu übertreffen sind. Die Glut unermeßlichen Hasses hat alle Begriffe von Gerechtigkeit und Menschlichkeit vernichtet. Führer eines Volkes hoher Kultur und Zivilisation sind dem Taumel blinder Wut verfallen. Wir stehen vor diesem Ereignis erschüttert, aber nicht überrascht. Vor 36 Jahren hat unser großer Lehrer und Führer, Theodor Herzl, die Judenfrage in ihrer schrecklichen Größe aufgerollt. Er hat ausgesprochen, daß an der ungelösten Judenfrage alle Begriffe von gesellschaftlichem Fortschritt und Kultur zu Schanden werden müssen, daß die ungelöste Judenfrage die Welt verseucht. Er hat auf die einzig mögliche Lösung der Judenfrage verwiesen: Auf die Versetzung des jüdischen Volkes in normale Verhältnisse, auf dessen Repatriierung, auf die Errichtung des Judenstaates. Im Sinne Theodor Herzls lehnen wir es ab, uns in nutzlosen Klagen und Verwünschungen zu ergehen. Wir fordern von den Kulturvölkern die Lösung der Judenfrage, damit das jüdische Volk und mit ihm die Kulturwelt nicht länger geschändet werden. Wir fordern vom Völkerbunde, daß er sein Mitglied Deutschland dazu verhalte, in Wahrung der Grundsätze des Völkerbundes die Verfolgung seiner jüdischen Mitbürger einzustellen und das an ihnen begangene Unrecht gutzumachen. Wir fordern vom Völkerbunde, daß er dem jüdischen Volke in höchster Not ungesäumt die moralischen und materiellen Mittel zur Verfügung stelle, welche nötig sind, um jüdische Massen, vor allem deutsche Juden, nach Palästina zu überführen. Wir fordern damit nur das, was dem jüdischen Volke feierlich zugesagt wurde. Wir fordern von England, von der Macht, welcher das Mandat für Palästina als Verwalter des Jüdischen Nationalheimes übertragen wurde, Erfüllung ihrer Pflicht, alles zu tun, um den Aufbau des Jüdischen Nationalheimes zu fördern. Wir fordern Abkehr von der bisherigen, mandatswidrigen Politik der Palästinaregierung, welche auf Behinderung des jüdischen Kolonisationswerkes hinausläuft, und Einleitung einer Politik, welche dem jüdischen Volke und dem Mandate gerecht wird. Angesichts der von den deutschen Machthabern heraufbeschworenen entsetzlichen Judennot darf die Kulturwelt nicht zögern, dem alten jüdischen Volke sein Recht auf Ehre und Leben zu sichern. Wir fordern vom jüdischen Volke stolze Selbstbesinnung, Abbruch aller Beziehungen zu einem Feinde, der ihm unendliche Schmach angetan hat, Konzentrierung aller moralischen und materiellen Kräfte um eine Aufgabe, um die Lösung der Judenfrage im Sinne Theodor Herzls, um den Aufbau des Judenstaates. DR. JAKOB HOFFMANN (Rev., Lettland — spricht jüdisch, zur Geschäftsordnung): Geehrter Kongreß, die ganze jüdische Welt bis in ihre kleinsten Winkel, die ganze nichtjüdische Welt (Unruhe, Rufe: Zur Geschäftsordnung!) verfolgt mit größter Aufmerksamkeit die Verhandlungen des XVIII. Zionistenkongresses und erwartet mit Spannung seine Beziehung zu dem Komplex, der den Namen trägt: Juden im Dritten Reich. Die Bedeutung dieses Problems, welches das ungeheure jüdische Elend enthüllen und das Illusorische unseres Galuthdaseins aufzeigen soll, sollte diese Frage zum Zentralpunkt der Kongreßverhandlungen machen. Wenn wir uns heute mit einer Sitzung über diese Frage begnügen, so darf es nicht sein, daß der XVIII. Kongreß nicht alle Stimmungen zum Vorschein bringe, die in der ganzen Welt herrschen, daß der Kongreß nicht unsere Beziehung dazu dokumentiere, was heute in der jüdischen Welt vorgeht, zu dem spontanen Widerstand, den die jüdische Welt in diesem Moment bewiesen hat. Wir glauben, daß der Kongreß dieser Frage wenigstens diese eine Sitzung zu widmen hat und stellen daher den Antrag,