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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1934-01-01 · 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933 · p. Seite 194

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
Date
1934-01-01
Page
Seite 194 (sequence 194)
Language
German, English, Hebrew
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194 6. Kongreßsitzung: Ansiedelung deutscher Juden ANDERE EINWANDERUNGSLÄNDER. Ich denke dabei in erster Linie an die Vereinigten Staaten. Diese haben allein im Jahre 1906 154.000 und im Jahre 1921 119.000 jüdische Einwanderer aufgenommen. Zwar wissen Sie, daß in den letzten Jahren die Vereinigten Staaten zu einer strengen Restriktion der Einwanderung gegriffen haben. Im Jahre 1932 sind nur 6000 Juden in die Vereinigten Staaten eingewandert, und zwar fast nur Verwandte von amerikanischen Bürgern. Auf die gesetzliche Einwanderungsquote, die eine Maximalziffer von 153.000 Einwanderern jährlich zuläßt, sind im Jahre 1931 nur für 48.000 Personen Visa erteilt worden. Trotzdem scheint es mir nicht ausgeschlossen, daß unter Berücksichtigung der katastrophalen Verhältnisse der Juden in Deutschland, besonders wenn die von der staatsmännischen Klugheit Roosevelts angebahnte Besserung in der amerikanischen Wirtschaftslage anhält, eine gewisse Milderung in der Erteilung von Visa für deutsche Juden eintritt. Die 4,500.000 Juden in den Vereinigten Staaten machen jetzt 3,6 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Eine Einwanderung von 50.000 bis 100.000 Juden würde den Prozentsatz der Juden unter der Gesamtbevölkerung so gut wie gar nicht erhöhen. Für das Wirtschaftsleben der Vereinigten Staaten mit ihren 125 Millionen Einwohnern würde diese jüdische Einwanderung so wenig bedeuten, wie das Ausgießen eines Eimers Wasser für das Niveau des Atlantischen Ozeans. Es würde sich bei Einwanderern aus Deutschland um Leute handeln, die auf einer hohen kulturellen Stufe stehen und von denen weder für den kulturellen, noch für den wirtschaftlichen Standard der Vereinigten Staaten irgendeine Gefahr zu befürchten ist. Abgesehen von den Vereinigten Staaten, denke ich, daß auch die im Völkerbund vereinigten europäischen und überseeischen Staaten (Brasilien, Argentinien, Kanada, Südafrika) eine beschränkte Anzahl von deutschen Juden aufnehmen werden. Die Judenheit der Welt sollte durch den Völkerbund einen Appell an seine Mitgliedstaaten richten, daß sie in dieser schweren Wirtschaftskatastrophe im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten einer bestimmten Zahl von deutschen Juden Zuflucht gewähren. Ich habe die Hoffnung, daß es möglich ist, durch solch einen Appell zumindest für 50.000 Juden eine Zuflucht zu schaffen, ohne daß dadurch den Einwanderungsländern irgendeine Last erwächst. Die jüdischen Gelehrten, Industriellen und Kaufleute werden, davon bin ich überzeugt, für die neuen Länder ein wertvolles Aktivum werden. Von ihnen wird einst das Wort gelten: „Der Stein, den die Bauleute verwarfen, ist zum Eckstein geworden." UNSER BEITRAG ZUR WELTKULTUR. Wenn wir uns auf diese Weise an die Welt mit dem Aufruf wenden, die deutschen Juden aus ihrer wirtschaftlichen Katastrophe zu retten, so tun wir dies nicht als Bettler, sondern als ein Volk, das für die Weltkultur Großes geleistet hat und weiter zu leisten imstande ist. Denjenigen, die uns als eine minderwertige Rasse bezeichnen, stellen wir in gerechtem Stolze unsere Leistungen in der Geschichte gegenüber. Wir sind nicht

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