Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 192)
- Language
- German, English, Hebrew
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192 6. Kongreßsitzung: Ansiedelung deutscher Juden die Pflanzung bereits Ertrag zu geben beginnt. In allen Fällen der Ansiedlung kann der Siedler erst dann selbst die Verantwortung für seine Wirtschaft übernehmen, wenn er oder ein Sohn von ihm mindestens zwei Jahre landwirtschaftlich tätig gewesen ist. Für die Kvuzoth und Moschavim mit gemischter Wirtschaft gibt es — wie bereits erwähnt, eine solche Möglichkeit zur Ausbildung in den Siedlungen selbst. In den Wirtschaften mit Orangenbau als Hauptzweig muß der Ansiedler oder sein Sohn entweder bei der Pflanzungsgesellschaft, die seine Wirtschaft eingerichtet hat, oder sonst irgendwo als Arbeiter die Landwirtschaft erlernen. Außer diesen tausend Familien können einige hundert Familien und vielleicht mehr, von Pflanzungsgesellschaften, von der P.I.C.A. oder einzelnen Kolonisten Boden zur Ansiedlung erwerben. Darüber hinaus kann eine landwirtschaftliche Ansiedlung erst erfolgen, wenn neuer Boden gekauft worden ist oder wenn durch neue Wasserfunde und Einführung bewässerter Kulturen die Siedler in den bereits bestehenden Siedlungen in den Stand gesetzt werden, sich mit weniger Boden zu begnügen und einen Teil ihres Bodens an neue Siedler abzugeben. Neue Bodenkäufe sind in Palästina zurzeit schwierig und erfordern vor allen Dingen zeitraubende Vorverhandlungen. Aber da wir in der Küstenebene, wo überall Bewässerung möglich ist, für eine Siedlerfamilie nur eine Fläche von etwa 20 Dunam brauchen, ist auch bei dem Kauf kleinerer Flächen schon die Ansiedlung einer beträchtlichen Zahl von Familien möglich. Vielversprechend sind die Versuche, in denjenigen Gebieten, die bisher als wasserarm galten, durch Tiefbohrungen Wasser zu beschaffen. Durch Tiefbohrungen, welche die Palestine Economic Corporation zusammen mit der P.I.C.A. im letzten Jahre vornahm, ist in der Kolonie Jawneel Wasser in beträchtlicher Menge erbohrt worden. Im Emek Jesreel haben die Bohrungen an drei Stellen, in Tel Adaschim, Merchawja und in Jadschur, große Mengen Wasser zutage gefördert. Das läßt den Schluß zu, daß im Emek noch an vielen Stellen, wo wir bisher auf unbewässerte Kulturen angewiesen waren, Wasser erbohrt werden kann und bewässerte Kulturen in die Wirtschaft eingeführt werden können. Es ist eine unserer wichtigsten Aufgaben, an der zurzeit verschiedene Instanzen im Lande arbeiten, darunter auch die Palästinaregierung, das ganze Land durch Bohrungen systematisch zu erforschen und das bisher im Untergrund nutzlos abfließende Wasser für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Es wäre sicher außerordentlich wertvoll, wenn von den Geldern, die jetzt für die Ansiedlung von deutschen Juden in Palästina gesammelt werden, ein bestimmter Betrag diesem Zwecke gewidmet würde, denn die Erbohrung von Wasser kann uns über die größte Schwierigkeit bei der Ansiedlung deutscher Juden, nämlich die Schwierigkeit des Erwerbs von Boden, hinwegbringen. Die Ansiedlung von neuen Menschen in der Landwirtschaft schafft einen vergrößerten inneren Markt für die Produkte der Industrie, gibt dem Handel und dem Transportgewerbe ein Feld für erweiterte Tätigkeit. Es ist eine alte Erfahrung in Palästina, daß mit jeder neuen landwirtschaftlichen Familie auch eine bis zwei Familien eine Existenz in Dorf oder Stadt finden können. Jedes Schiff, das neue jüdische Ein-