Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 188)
- Language
- German, English, Hebrew
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188 6. Kongreßsitzung: Ansiedlung deutscher Juden Art aus der jüdischen Geschichte, der 500 Jahre zurückliegt. Als in Spanien die Inquisition vom König den Erlaß eines Gesetzes verlangte, daß alle diejenigen Christen, die unter ihren Ahnen Juden zählten, gleich den Juden den Judenhut zu tragen hätten, erschien an dem Tage, an welchem das Gesetz dem König zur Unterzeichnung vorlag, bei ihm sein Großkanzler mit zwei Judenhüten in der Hand. Auf die erstaunte Frage des Königs, was diese beiden Hüte zu bedeuten hätten, erwiderte der Kanzler: „Wenn Eure Majestät das Gesetz unterschreiben, so ist der eine Hut für mich und der andere Hut für Eure Majestät." Alle diese „Nichtarier", mögen sie durch die Taufe oder im Gefolge einer Mischehe aus der jüdischen Gemeinschaft ausgeschieden sein, sind in erster Linie ein Problem für diejenige kirchliche oder völkische Gemeinschaft, welche sie aufgenommen hat. Wir haben kein Recht, in ihrem Namen zu sprechen, und können uns nur mit denjenigen Juden befassen, die bis zum heutigen Tage in ihrer angestammten Gemeinschaft verblieben sind. Die 500.000 deutschen Juden machen nur etwa drei Prozent der gesamten 16 Millionen Juden der Welt aus. Aber sie sind ein wichtiges Glied der Welt judenheit. Sie haben in den letzten hundert Jahren an der Spitze der Vorkämpfer für jüdische Gleichberechtigung in allen Ländern gestanden und haben den Juden in anderen Ländern, denen es wirtschaftlich schlecht ging, nach besten Kräften geholfen. Deshalb steht die gesamte Judenheit heute mit tiefstem Mitgefühl hinter den deutschen Juden und verfolgt gespannt die weitere Entwicklung ihres Schicksals. Die Judenheit kann sich nicht damit abfinden, daß ein Glied von ihr, das sich stets loyal den Gesetzen gefügt und an der Entwicklung seines Heimatlandes den regsten Anteil genommen hat, von einem Tage zum anderen entrechtet werden soll. AUSWANDERUNG — DER EINZIGE AUSWEG. Es gibt für die 200.000 Juden in Deutschland, die in ihren jetzigen Berufen sich nicht mehr erhalten können, in Deutschland keine Möglichkeit, eine Existenz in anderen Berufen zu finden. Würden sie an den Übergang zur Landwirtschaft denken, der an sich schon für Städter sehr schwer und für viele infolge ihres Alters unmöglich ist, so stoßen sie sofort auf das neue deutsche Bauerngesetz, das nur Deutschstämmigen, nicht aber Juden den Zugang zum Boden gestattet. Ein Übergang zum Handwerk kann ebenfalls nicht in Betracht kommen, weil der jüdische Handwerker gegen die christliche Konkurrenz bei der jetzigen gesetzlichen und politischen Lage nicht aufkommen kann. Es ist selbstverständlich, daß der Handel, in dem die Juden schon seit dem Weltkrieg einen äußerst schweren Stand gegen die außerordentlich gewachsene Zahl ihrer christlichen Mitbewerber hatten, keine weitere Juden aufnehmen kann. Der Übergang eines Juden von einem Handelszweige zu einem anderen ist dasselbe, als wenn man sich aus einem brennenden Hause in der Hoffnung auf Rettung zum Fenster hinausstürzt. Die Lage der jüdischen Jugend, die in dieser unglücklichen Zeit in das