Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 187)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ruppin 187 Städten. Es gibt ebensoviele Tausende von kleinen und mittleren industriellen und handwerklichen Betrieben. Sie alle sind durch die neue Gesetzgebung in Mitleidenschaft gezogen worden und werden es immer mehr, je länger die einheitlich und mit großer Wucht geleitete Propaganda gegen die Juden andauert. Ich glaube, mich nicht einer Übertreibung schuldig zu machen, wenn ich sage, daß bei einer Fortdauer des jetzigen Zustandes die Hälfte der deutschen Juden ihre Existenzgrundlage einbüßen wird und daß nur die andere Hälfte — immer vorausgesetzt, daß nicht neue Schläge kommen — in dem verengten Lebensraume wird existieren können. Was ist also zu tun? ZAHL DER JUDEN IN DEUTSCHLAND. Die Zahl der Juden in Deutschland betrug bei der Volkszählung vom Jahre 1925 564.000. Die Ziffer ist allerdings heute niedriger. In den verflossenen acht Jahren seit der Volkszählung haben die deutschen Juden infolge ihrer außerordentlich geringen Geburtsziffer jährlich etwa 4000 durch den Überschuß der Sterbefälle über die Geburten verloren. Außerdem ist der Überschuß der Auswanderung über die Einwanderung auf mindestens 30.000 zu schätzen, wenn man berücksichtigt, daß in den letzten Monaten allein mehrere zehn tausende Juden freiwillig oder gezwungen Deutschland verlassen haben. Ich komme deshalb zu dem Schlüsse, daß die Zahl der Juden in Deutschland heute höchstens 500.000 beträgt. Sie wird infolge des oben erwähnten Überschusses der Sterbefälle über die Geburten noch weiter zurückgehen, denn unter den jetzigen politischen und wirtschaftlichen Umständen werden jüdische Eltern natürlich noch viel schwerer die Verantwortung fühlen, Kinder in die Welt zu setzen. Ich glaube, daß sich im Laufe der nächsten zehn Jahre die Zahl der Juden auf natürlichem Wege um 50.000, das heißt auf 450.000 vermindern wird. Ich lasse dabei die getauften oder aus Mischehen hervorgegangenen „Nichtarier" — um mich dieses neuerfundenen und der Wissenschaft nicht zur Ehre gereichenden Begriffes zu bedienen — außer Betracht. Ich will nur bemerken, daß die Zahl der getauften Juden und die Zahl derjenigen, die unter ihren Eltern oder Großeltern nachweislich Juden zählen, nicht, wie vielfach behauptet wurde, in die Millionen geht, sondern mit 200.000 wahrscheinlich schon zu hoch geschätzt ist. Allerdings ist es bei einem Zusammenleben von zwei Volksgruppen, das sich über ein Jahrtausend erstreckt, selbstverständlich, daß Blut der einen Volksgruppe, wenn auch noch so verdünnt, in die andere übersickert. Obwohl auch wir Juden für Reinerhaltung unseres Blutes eintreten und Mischehen als unerwünscht ansehen, ist doch die Behauptung, die Kinder aus solchen Mischehen seien minderwertig, in keiner Weise bewiesen. Ich möchte nur daran erinnern, daß dem Halbjuden Heinrich Hertz die Entdeckung der unsichtbaren Strahlen zu danken ist, ohne welche eine ganze Welt von Wundern uns verschlossen geblieben wäre. Die Ahnenschnüffelei, die jetzt in Deutschland an der Tagesordnung ist, erinnert mich an einen Vorgang ähnlicher