Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 184)
- Language
- German, English, Hebrew
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184 6. Kongref>sit%ung: Referat über Lage der Juden lieh ertragen. Zionistische Gedanken setzen sich durch, jüdische Menschen, nicht nur in Deutschland, sondern überall in der Welt, beginnen erneut ihre Situation zu durchdenken, sammeln sich um das jüdische Banner. Ein Spezialreferat wird Ihnen zeigen, was Zionismus und Palästina für die Erleichterung der Lage der deutschen Juden tun können. Hier soll festgestellt werden, welche gewaltige seelische Stütze unsere Idee dem deutschen Judentum und dem Weltjudentum in dieser kritischen Stunde bietet. Der Zionismus bedarf zu seiner Verwirklichung der Unterstützung und des Wohlwollens der Welt. Wir appellieren an die Welt, daß sie angesichts der heutigen, manifest gewordenen Judenfrage uns ihre Unterstützung leihe. Wir glauben, daß es sich hier um ein Weltproblem handelt, das alle Völker angeht. Die Frage muß vor ein internationales Forum kommen. Vielleicht wird es nötig sein, daß ein erheblicher Teil der deutschen Juden mit Hilfe der Regierung und des Völkerbundes in geordneter Auswanderung nach anderen Ländern, vorzugsweise nach Erez Israel, geht. Alle unsere wackeren Kämpfer, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, in opferwilliger Pionierarbeit unentwegt für Erez Israel einzutreten, um des jüdischen Volkes höchste Güter zu schirmen und zu schützen, werden sich wie ein Mann in den Dienst eines solchen Rettungswerkes stellen. Ist es nicht symbolisch, daß dieser Ruf der Schwanengesang unseres unvergeßlichen Chaim Arlosoroff war? Er fehlt uns, aber sein Werk wird fortleben. Ein solcher legaler offener Exodus wäre einem langsamen Proletarisierungsprozeß vorzuziehen. Selbstverständlich ist dringende, schleunige, großzügige Hilfeleistung heilige Pflicht, aber das ist keine Lösung. Das Übel muß an der Wurzel gefaßt werden. Die Nordau'sche Teilung der Welt in Ost und West hat sich verschoben. West ist Ost, Teile des Ostens sind Westen geworden. In alten Zeiten gingen solche Entwicklungen langsam vor sich. Jetzt folgen diese Phasen so rasch aufeinander, daß man gar nicht sehr alt zu sein braucht, um den Wechsel der Ereignisse mehr als einmal beobachten zu können. Die Judennot war statisch, die Judenfrage ist dynamisch geworden. Es verschob sich vieles im wirtschaftlichen Leben unseres Volkes in Nord- und Südamerika. Unaufhörliche Veränderungen rüttelten an dem alten Gleichgewicht auch in England, Frankreich und Italien, in Rumänien, in Ungarn und in der Türkei. Diese Veränderungen brachten die jüdische Bevölkerung in neue Lagen, stellten neue Anforderungen an ihre Arbeitskraft und ihre Dispositionsfähigkeit. Nichts liegt mir ferner, als im Leben unseres Volkes in der Diaspora nichts als Schatten sehen zu wollen. So hoffnungslos ist die Sache nicht, und dem, der näher zusieht, ist es klar, daß das Judentum mit seinem licht- und kraftspendenden Zentrum in Erez Israel auch in der Diaspora die Möglichkeit einer großen menschlichen Entwicklung in sich trägt, wenn es — wie wir es hoffen — bemüht sein wird, unter dem Banner Zions, als ein Volk von Brüdern vereinigt, seine eigenen Keime zu finden und zur Entfaltung zu bringen. Enge Verbindung aller jüdischen Parteien — selbstverständlich im Rahmen der Gesetze der verschiedenen Länder — aus dem Gedanken des