Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 183)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476290--8590-3484740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sokolow 183 möglich in führender Stellung, wo es gilt, das Volk zu retten. Denn Land ohne Volk ist undenkbar. Die früher übliche Apologetik muß zum alten Eisen geworfen werden. Es nützt nichts, immer wieder die Namen der Gelehrten, Philosophen und Künstler zu nennen, die wir einem Lande gegeben haben. Es nützt nichts, immer wieder den Beweis zu erbringen, daß man „deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", daß man Patriot sei. Wir brauchen nicht erst mit unseren Beiträgen zu dieser oder jener Kultur den Beweis für unsere Existenzberechtigung erbringen. Wir sind, wie wir sind, und wir tragen die Berechtigung unseres Daseins in uns. Man scheut vor keinem Mittel zurück, um uns unser Lebensrecht zu bestreiten. Wir protestieren gegen den Mißbrauch gefälschter Schriften und Pamphlete, auf Grund deren man uns phantastische Pläne zur Last legt. Unsere Bewegung hat seit ihrem Bestehen in voller Öffentlichkeit gearbeitet, und es war seit den Tagen Theodor Herzls eines unserer Grundprinzipien, unter der Kontrolle der öffentlichen Meinung der Welt zu stehen. Wir konnten daher Fälschungen wie die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion" mit Verachtung ignorieren, im Bewußtsein, daß kein Teil der Kulturmenschheit dieses Machwerk ernst nimmt. Wenn man aber heute in einem großen Lande bei verschiedenen Gelegenheiten offiziös von diesem Buche Gebrauch macht, dann müssen wir erklären, daß wir mit diesen Protokollen nichts zu tun haben, daß sie erfunden sind, daß es niemals etwas derartiges gegeben hat, und daß wir dieses Pamphlet als eine Verunglimpfung unserer heiligen Sache betrachten. Es ist ein Wahn, von Plänen einer jüdischen Weltherrschaft zu sprechen. Das jüdische Volk, überall in der Minderheit, in seinen großen Massen verelendet, schwer um seine Existenz ringend, sucht sich aus der anormalen Lage des Galuth zu befreien, indem es sein Nationalheim in der alten Heimat wieder aufbaut. Wir Zionisten streben danach, die Kräfte aller Juden auf dieses Ziel zu konzentrieren, in der Überzeugung, daß dadurch auch die Lage der Juden in den anderen Ländern erleichtert wird. Die Schaffung einer neuen Existenz als eines Volkes von Arbeitern und Bauern, von Handwerkern und Geistesarbeitern ist das Ziel unserer Bestrebungen. In die Angelegenheiten anderer Völker wollen und werden wir uns nicht einmischen, am allerwenigsten wollen wir andere beherrschen. Das Schicksal der deutschen Juden zeigt am deutlichsten, wie notwendig die Schaffung eines Jüdischen Nationalheims ist. Noch nie haben wir mit so grausamer Deutlichkeit empfunden, wie schwankend unsere Galuthexistenz ist. Noch vor zwanzig, ja noch vor fünf Jahren wäre eine solche Wandlung der jüdischen Lage in Deutschland undenkbar erschienen. Noch nie hat sich die Notwendigkeit des Zionismus so eindrucksvoll erwiesen wie jetzt (Beifall). Vor dreißig Jahren hättet ihr Beifall klatschen sollen! Die Aufgabe des Zionismus ist es, eine Lösung der Judenfrage durch Errichtung unseres Nationalheims in Palästina zu bewirken. Wir sehen, daß unsere Bewegung und unsere Arbeit auch schon jetzt den Menschen Mut und Kraft gibt. Die Hoffnung auf die Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes läßt sie auch ein schweres Schicksal tapfer und Zuversicht-