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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1934-01-01 · 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933 · p. Seite 182

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
Date
1934-01-01
Page
Seite 182 (sequence 182)
Language
German, English, Hebrew
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182 6. Kongreßsitzung: Referat über Lage der Juden Beinahe viertausend Jahre sind seit der Offenbarung der zehn Gebote am Sinai vergangen, seitdem die Pflicht der Nächstenliebe verkündet wurde wie auch die Liebe für den Fremdling. „Den Fremdling sollst du nicht drücken, denn ihr wißt ja, wie dem Fremdling zumute ist, die ihr selbst Fremdlinge wart im Lande Ägypten. Einerlei Recht sollt ihr haben, Fremdling und Einheimischer sollen gleich sein, denn ich bin der Ewige, euer Gott", das heißt der ewige Gott aller Menschen, vor dem ein jeder dieselben Rechte hat. Über neunzehn Jahrhunderte sind verflossen, seitdem das Christentum die Nächstenliebe und sogar die Liebe für den Feind auf sein Panier geschrieben hat und im Namen dieses Ideals an alle Völker, Stämme, Rassen herangetreten ist, um ihnen das Heil zu verkünden. Vor mehr als einem Jahrhundert sind die Rechte des Menschen proklamiert, ist die Sklaverei aufgehoben worden. In allen zivilisierten Ländern der Welt wurde seither die Gleichberechtigung der Menschen als Grundlage menschlicher Gesittung anerkannt." Getreu diesen Prinzipien bekennen wir uns zu der Überzeugung, daß es ungerecht und unzulässig ist, Menschen wegen ihrer Rassenzugehörigkeit zu diffamieren und von der menschlichen Gleichberechtigung auszuschließen. Im. Namen der Menschenwürde, die gerade deutsche Geister und Philosophen als höchstes natürliches Gut jedes Erdenwesens proklamiert haben, verlangen auch wir, gleichgeachtet und gleichberechtigt zu sein. Wir lehnen zugleich die Gedankengänge der Assimilation ab, die diese Gleichberechtigung durch Preisgabe unserer Sonderart erkaufen wollte. Wir verleugnen nicht die durch unsere Eigenart und unsere Geschichte entstandenen Differenzierungen und wir glauben, gerade durch unsere Haltung und Auffassung ein ehrliches und aufrichtiges Verhältnis gegenseitigen Respektes zwischen jüdischen und nicht jüdischen Mitbürgern schaffen zu können. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß Zionismus und Emanzipation untrennbar sind und sich gegenseitig bedingen. Die Emanzipation ist kein Äquivalent für den Zionismus. Es gibt keine ihres Namens würdige Emanzipation, solange das jüdische Volk als jüdisches Volk kein Zentralland auf der Erdkugel besitzt, das es als eine Heimat für die Konzentrierung seiner Energien und für die Abspiegelung seines ganzen Ich betrachten kann. Aber es gibt auch keinen normal wirkenden und entwicklungsfähigen Zionismus, solange die Juden in den Ländern, in denen sie wohnen, nicht vollberechtigte Staatsbürger sind und teils im Ghetto, teils auf den Ruinen desselben ein kümmerliches Dasein fristen. Ein Ghetto kann nur noch ein anderes Ghetto bauen, und das hat es auch wirklich getan. Das war die Chaluka. Emanzipierte Juden haben die Grundlagen des jüdischen Nationalismus gelegt, und nur freie, gleichberechtigte jüdische Bürger aller Länder werden an diesem monumentalen Bau des Judenlandes mit Erfolg weiter arbeiten. Das harmonische Sichausleben in Zion und die Kräftigung des Judentums werden sich durch gegenseitige Wechselwirkung steigern. Die Erkenntnis muß sich Bahn brechen, daß ein Desinteressement am Lebenskampf in der Diaspora seitens des Zionismus absurd wäre. Im Gegenteil, der Zionismus soll überall mitwirken, wo-

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