Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 181)
- Language
- German, English, Hebrew
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- Cicero 1× ep/1024888
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Sokolow 181 der Welt sind Freunde des deutschen Volkes. Nicht allein die Gemeinschaft hoher Interessen und menschlicher Ziele, die gereifte Einsicht der Geister machen diese Freundschaft volkstümlich in unseren Kreisen. Deutschland ist einer der ältesten Teile der nachexilischen europäischjüdischen Geschichte, und unsere neuere Geschichte war mit Deutschland eng verbunden. Aber es hat wenig Zweck, gegen eine Welt zu polemisieren, die keine Argumente anhören will. Wir können nicht, wenn man uns schmäht und beleidigt, mit „Aufklärungen" kommen und für bessere Einsicht plädieren. Das jüdische Volk ist in der letzten Periode zu eigenem Leben und zu einem neuen Selbstbewußtsein erwacht, und wir, die zionistische Bewegung, fühlen uns als die Avantgarde des jüdischen Volkes von sechzehn Millionen, und als solche weisen wir die gegen unser Volkstum und unsere Ehre gerichteten Beleidigungen mit Stolz zurück. Was wir heute erleben, die falsche Ausnutzung des Wortes „Nation" ist von jeher verderblich gewesen. Ob es auf dem Forum Roms oder in Preßburg geschah, ob Cicero oder Houston Chamberlain, ob Drummont oder Cuza nationale Posen annahmen, ob europäische Antisemiten oder amerikanische Ku-Klux-Kämpfer diesen Sammelruf in das Gewirr der Tagespolitik hineinwarfen, überall geschah und geschieht es mit der Absicht, den Zauber des Wortes Nation als einen politischen Stimulus wirken zu lassen, überall mit dem gleichen Erfolg des Angriffs auf den historischen locus minoris resistentiae — das jüdische Volk. Die Feststellung dessen, was unter Nation und Nationalität zu verstehen ist, bereitet ziemliche Schwierigkeiten und wird von verschiedenem Standpunkt abweichend beurteilt. Demjenigen aber, der dieses Problem in einem jüdischen Sinne betrachtet, schwinden die Schwierigkeiten. Eine Nation ist eine große Gemeinschaft, die sich gründet auf das Bewußtsein opferwillig für die Gesamtheit vollbrachter Taten und auf das Einverständnis, auch künftig in dieser aufopfernden Gemeinschaft zu leben. Die Existenz dieser Nation ist ein Tag für Tag fortgesetztes Plebiszit. Die Unterschiede der Rassen oder Nationalitäten hinwegleugnen zu wollen, ist sinnlos. Wir wollen nicht die Welt in einen kosmopolitischen Urbrei verwandeln und in einen Orkus verschwinden sehen, in dem alles national Individuelle von der Allgemeinheit verschlungen wird. Dem schwergeprüften deutschen Volke die Segnungen gedeihlichen friedlichen Fortschrittes zu gewähren — wer von uns würde sich nicht dafür begeistern? Was wir bekämpfen, ist die neue Form des Antisemitismus, die sich dort offenbart. Als eines der ältesten Kulturvölker der Welt, als das Volk der Bibel und der zehn Gebote, als das Volk der Treue zum Geist und zur Sittlichkeit der Propheten sind wir erhaben über die These von der angeblichen Minderwertigkeit unserer Rasse. Wir volksbewußten Juden, die wir uns stets zu unserem Blutzusammenhang und unserer Geschichte bekannt haben, wir wissen, daß wir eine Menschengruppe eigener Art und Prägung sind. Aber wie wir weit davon entfernt sind, andere Rassen herabzusetzen, so protestieren wir vor aller Welt dagegen, daß man unsere Rasse herabzusetzen und zu schmähen wagt.