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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1934-01-01 · 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933 · p. Seite 180

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
Date
1934-01-01
Page
Seite 180 (sequence 180)
Language
German, English, Hebrew
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180 6. Kongreßsitzung: Referat über Lage der Juden jahrhundertelanges Zusammenleben, durch engen Anteil an deutscher Kultur und Wirtschaft mit Deutschland verbunden sind, aus sich ausgegliedert. Die Gleichberechtigung der Juden, seit hundert Jahren ein unverrückbares Prinzip der zivilisierten Menschheit, ist in Deutschland aufgehoben worden. Das Programm der nationalsozialistischen Partei, das bereits 1921 entstanden ist, wird in allen die Juden betreffenden Punkten durchgeführt. In diesem Programm heißt es: „Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Kein Jude kann daher Staatsbürger sein." Gestützt auf eine zweifelhafte Rassentheorie, die wissenschaftlich in höchstem Maße anfechtbar ist, hat man in der Gesetzgebung einen Unterschied zwischen Ariern und Nichtariern gemacht. Man hat die Nichtarier für die meisten Kategorien des gesellschaftlichen Lebens disqualifiziert. Nichtarier können keine Beamten sein, sie können aber auch keine Mitglieder wirtschaftlicher und beruflicher Verbände sein, es wird für sie in akademischen Berufen und an den Schulen ein numerus clausus eingeführt und darüber hinaus wird im deutschen Volk eine intensive Propaganda geführt, um zu erreichen, daß jeder Verkehr — geschäftlicher ebenso wie privater Natur — mit Nichtariern unterbleibt. Nicht genug, daß man sie aus dem Kulturleben ausstoßen will, auch gesellschaftlich will man sie ächten. Darüber hinaus kann sich eine ungehemmte antisemitische Propaganda entfalten, die nicht einmal vor der Verbreitung des mittelalterlichen Ritualmordmärchens zurückschreckt. Es ist für uns unmöglich, den Antisemitismus wüten zu lassen, ohne ihm durch nachdrückliche und energische Proteste entgegenzutreten (Lebhafter Beifall, der Kongreß erhebt sich von den Sitzen). Es wäre fatal, den Antisemitismus glauben zu machen, daß die Ersetzung der Gleichberechtigung durch ein System des numerus clausus vom Weltjudentum akzeptiert wird und daß die Seele der Emanzipation tot sei. Dem jüdischen Bürger standen in Deutschland im Laufe der letzten Generation eigentlich nur die freien Berufe offen, wie der des Schriftstellers, des Rechtsanwalts, des Arztes, des Kaufmanns. Die staatliche Laufbahn war ihm ganz verschlossen oder nur bis zu einer gewissen Grenze geöffnet. Die einseitige Berufschichtung der Juden ist zwar aus geschichtlichen Bedingungen erwachsen, wird aber von jedem von uns als anormal und änderungsbedürftig empfunden. Ihre Beseitigung durch Umschichtung war von jeher einer der Grundsätze der zionistischen Bewegung. Aber das Wesen der Emanzipation liegt in der Freiheit der Berufswahl. Soll die Emanzipation nicht in ein Possenspiel verwandelt werden, müssen wir stahlhart gegen die Verletzung von Rechten auftreten, für die unsere Vorfahren im Laufe der Generation gekämpft und gelitten haben (Lebhafter Beifall). Man hat die Legende erfunden, die deutschen Juden seien Feinde des deutschen Staates. Alle berufenen Vertreter der jüdischen Bevölkerung Deutschlands haben diese Behauptung mit Entrüstung zurückgewiesen. Die vaterländische Gesinnung, die unverbrüchliche Treue der deutschen Juden und ihre Anhänglichkeit an den deutschen Staat, an deutsche Kultur und Sprache sind so echt, daß sie keiner Versicherung und Beteuerung bedürfen. Nicht allein deutsche Juden, sondern auch Juden

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