Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 179)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokolow 179 jedem Prozeß einer Volksbefreiung oder Renaissance eine entscheidende Rolle, dazu gehört jenes Wissen und Nichtwissen um Ideal und Quantität als das wirkungsreichste Phänomen. Nur eines ist sicher: die Ausbreitung, Stärkung und Vertiefung der zionistischen Bewegung, deren wachsende Fortschritte die Überführung eines bedeutenden Teiles der polnischen Judenheit nach Erez Israel ermöglichen. Zu viel Parteien und zu viel Kastengeist und parteibefangene Engherzigkeit, die in gar keinem Verhältnis zum Ding an sich stehen und eine Kombination der alten Kasuistik mit moderner Problematik darstellen, indem jede Nuance und jedes Seifenbläschen zu einer Frage der Weltanschauung aufgebauscht wird. Und die Jugend, auf der die Zukunft ruht, wird in diesen Kampf hineingerissen, allzufrüh und zuweilen allzutief. Teile dieser im Grunde ausgezeichneten Jugend lernen nur Zerrbilder der Wirklichkeit kennen, lernen die Volksgenossen hassen, die in anderen Lagern stehen. Sie wird erzogen zur Verachtung aller Besonnenheit, aller Rücksichtnahme auf die Umgebung. Aber trotz dieser Übertreibungen und der Auswüchse des Parteihaders ist die Popularität des Zionismus in Polen ein großes Aktivum, und es muß weiter daran gearbeitet werden, alle polnischen Juden, insbesondere die Jugend, unter dem Banner des Zionismus zu vereinigen. Der letzte Grund und der letzte Hort unserer Stärke ist doch am Ende unser eigenes Volk. Aber es wird absolut notwendig sein, auch die positiven Möglichkeiten bald zu vergrößern. Denn die Sehnsucht kann nicht lange allein ihr einziger Gegenstand sein und man kann nicht nach Durst dürsten (Lebhafter Beifall). 3. DIE LAGE DER JUDEN IN DEUTSCHLAND. Etwas noch nie dagewesenes ist vor unseren Augen in letzter Zeit geschehen, etwas, was die ganze Weltlage des jüdischen Volkes zurzeit beherrscht. In Deutschland hat sich in einer seit Jahrhunderten nicht dagewesenen Weise die Tragik des jüdischen Galuthdaseins enthüllt. Wir Zionisten, die stets das Wesen der Judenfrage erkannt haben und durch ein großes Werk des Aufbaues an ihrer Lösung arbeiten, stehen bestürzt und entrüstet vor dieser unerwarteten Zuspitzung des Konfliktes, die einen wichtigen Teil unserer Gemeinschaft in eine fast ausweglose Situation gebracht hat. Aber es wäre ein großer Irrtum, zu glauben, daß es hier um das deutsche Judentum allein geht. Nicht die deutschen Juden, sondern das ganze jüdische Volk ist angegriffen, wenn man von der Minderwertigkeit der jüdischen Rasse spricht und die jüdische Ehre in maßloser Weise herabsetzt. Es ist nicht unsere Aufgabe, die inneren Entwicklungen des deutschen Volkes, das durch den Krieg und seine Folgen schwer gelitten hat, beeinflussen oder kritisieren zu wollen. Was uns dagegen angeht, ist das Schicksal der Juden, das mit diesen Entwicklungen verbunden ist. Der neue deutsche Staat hat die Rassentheorie zu seiner Grundlage gemacht. Er steht auf dem Standpunkt, daß nur deutschblütige Volksgenossen volle Staatsbürger sein können. Damit hat er die deutschen Juden, die durch 12*