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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1934-01-01 · 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933 · p. Seite 177

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
Date
1934-01-01
Page
Seite 177 (sequence 177)
Language
German, English, Hebrew
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Sokolow 177 Wechselprotestierungen beim Notar. Das Geld von amerikanischen Verwandten hat aufgehört. Wovon soll die polnische Judenheit leben? Es ist eine Virtuosität sondergleichen, daß die polnische Judenheit noch lebt, daß sie noch allgemeine und jüdische Steuern zahlt, Wohltätigkeit übt und auch für zionistische und allgemein-jüdische Zwecke bedeutend beisteuert. Das Geheimnis dieser Virtuosität besteht darin, daß die polnische Judenheit wie ein organischer Körper sich seine Struktur mehr von innen her gibt, von einer Energie und Vitalität sondergleichen, von einer Miniaturkunst, die Bedürfnisse des elementaren Lebens unter das Minimum zu reduzieren, von einem Gesetz, das sich die Kraft von den Entbehrungen des Lebens holt, von einer subtilen Erfindungskraft, jeden Anschein eines aufbauenden Momentes, jede Aussicht und jede Anregung zu großen Lebensinhalten zu machen. Bei aller materiellen Armut hat die polnische Judenheit den Höhepunkt jüdischer Kombinationsgabe und jüdischen Lebenspathos erreicht. Daher erscheint ja auch alles oftmals in imaginären Ausmaßen wie durch einen vergrößernden Spiegel gesehen. Der materielle Ruin der polnischen Judenheit mit allen Begleiterscheinungen des Elends und des Jammers, die als eine Hungersnot bezeichnet werden können, macht die Emanzipation illusorisch. Dieser katastrophale Zustand müßte den Staat veranlassen, die Lebensinteressen dieses bedeutenden Teiles der Bevölkerung ökonomisch zu schützen, nichts zu unternehmen, das geeignet ist, die Juden von irgendeinem Arbeitsgebiet zu verdrängen und ihnen zu helfen, in andere Gebiete einzudringen. Der Sinn der Gleichberechtigung besteht in einer gleichmäßigen Rücksichtnahme auf sämtliche Interessen aller Bevölkerungsklassen und hauptsächlich auf ökonomischem Gebiete. Sollen die Juden den Staat als ihren Hort, Schutz und Schirm betrachten, so müssen sie vor allem die Erfahrung machen, daß der Staat um ihre Existenz und ihr Gedeihen so besorgt ist, wie um die Existenz und das Gedeihen anderer Staatsbürger. Die Juden wollen kein Privilegium, aber sie wollen auch kein Aschenbrödel sein. Diese Misere hat weder mit der allgemeinen ökonomischen Krise der Welt, noch mit der wirtschaftlichen Notlage im Lande etwas zu schaffen. Die Juden leiden darunter gleich den anderen, und sofern sie gleich den anderen leiden, ist es wohl bedauerlich, aber dies gehört nicht zur Judenfrage. Zur Judenfrage gehört, daß die Juden obendrein noch als Juden leiden. Dieser Zustand der polnischen Judenheit lastet schwer auf dem Gewissen des Weltjudentums und je höher letzteres die großen Traditionen Polens und ihre humane Tendenz schätzt, desto sicherer erwartet sie eine ökonomische Politik, die der spezifisch jüdischen Notlage Rechnung tragen würde (Beifall). c) Zionistische Entwicklungen in Polen. Die Art palästinensischer Einstellung zahlreicher polnischer Juden ist dadurch bestimmt, daß sie zwar über das Ob ihrer eigenen Zukunft in Palästina sicher, dagegen über das Wann unsicher sind. Schlechthin unvorstellbar wäre uns die kollektive Lebenseinstellung des polnischen Judentums ohne Aussicht auf Palästina; aber schon die Einschränkung auf dieses oder jenes Projekt mit einer fixen Zahl würde von der Aussichtslosigkeit in einem kaum weniger unvorstellbaren Maße abweichen. Einer meiner Freunde äußerte sich über 12

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