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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1934-01-01 · 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933 · p. Seite 173

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
Date
1934-01-01
Page
Seite 173 (sequence 173)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Sokolow 173 irgendeinem Staate Kritik zu üben. Es gehört nicht zum Programm eines Zionistenkongresses oder einer Zionistischen Organisation, über diese oder jene Staatsform, dieses oder jenes wirtschaftliche System den Stab zu brechen. Dieser Fragenkomplex'gehört nicht in unser Gebiet. Unsere Pflicht ist es aber hier, über die Lage unseres Volkes die Wahrheit, die ganze Wahrheit zu sprechen, und die Lage unseres Volkes bedeutet nicht allein und nicht hauptsächlich unser materielles Leben: es bedeutet hauptsächlich die Wahrung unserer geistigen Güter, unserer Religionsfreiheit, unseres zionistischen Ideals. Wir sind kein materialistisches Krämervolk, das nur um die Fleischtöpfe Ägyptens besorgt ist. Wir sind das „Volk des Buches". Wir fordern, was uns als einem alten Kulturvolke zukommt: Autonomie und Freiheit für jüdischen Geist, wie er sich in den Jahrtausenden seines Ringens und Strebens offenbart hat (Lebhafter Beifall). Bis wir diese Freiheit erlangen und die Märtyrer unseres Ideals auf freien Fuß gesetzt werden, müssen wir in der Beurteilung der Lage des jüdischen Volkes den Posten „Russisches Judentum" als einen tragischen Leidensposten bezeichnen. Es gibt noch einen Berührungspunkt zwischen uns und der Sowjetregierung, und das sind die Bemühungen dieser Regierung, jüdische Ackerbaukolonien zu gründen. Es ist gesagt worden, der Zionismus blicke scheel auf diese Versuche. Das ist Unsinn. Im Gegenteil, wir wünschen diesem Beginnen den besten Erfolg. Nur eins wird man bei diesen Versuchen lernen: Der Gedanke einer Rückkehr zum Ackerbau allein ist tot und unfruchtbar. Flößen wir ihm aber historisches Leben ein, pflanzen wir letzteres als Ziel auf, das wir unserem Volkstum erringen wollen, dann quillt es mächtig in unserer Seele, dann braust die Begeisterung durch die Brust der Volksmassen zum Himmel auf, dann wird dieser Gedanke ein mächtiger und verheißungsvoller. Der Erfolg des Jüdischen Nationalheims, eine rasche und gedeihliche Entwicklung des Ackerbauprozesses im Stammland wird anregend und befruchtend nach dieser Richtung auch in der Diaspora wirken. Auch dieses Licht wird von Zion ausstrahlen, aber es muß zunächst und hauptsächlich in Zion zentralisiert werden. 2. DIE JUDENHEIT POLENS. a) Politische Lage: Nordau hat in seiner Rede Polen gar nicht erwähnt. Nicht weil er es nicht kannte. War doch sein Vater ein Talmudschüler auf der Jeschiba zu Lissa gewesen und hatte dem Sohn oft seine Jeschiba- Reminiszenzen aus jenem großpolnischen Städtchen erzählt. Und hatte nicht Nordau seinerzeit gegen die antipolnische Politik Preußens und das Sprachverbot im Religionsunterricht in Wreschen einen flammenden Aufruf erlassen, der von Boleslaw Prus in seiner Chronik rühmlichst hervorgehoben worden ist? Nein, das war nicht Unkenntnis, es war die Tatsache, daß Polen damals nur ein historisch-geographischer und nicht ein politischer Begriff war. In jenen Tagen war auch ,,polnischer Jude" wenn nicht ein deutliches Schimpfwort, so doch eine gewisse Demütigung für den so Bezeichneten und ein Ausdruck snobistischer Selbstüberhebung für denjenigen, der es aussprach.

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