Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1934-01-01 · 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933 · p. Seite 156

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
Date
1934-01-01
Page
Seite 156 (sequence 156)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3476254-3476290--8563-3484713
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

156 5- Kongreßsitzung: Organisationsreferat mehr wissen, was das ist; aber unsere Organisation, unsere Arbeit haben schwer darunter gelitten. Monatelang hat sich die Exekutive in London damit befassen müssen, der zionistischen Öffentlichkeit klar zu machen, daß weder direkt noch indirekt ein Abkommen mit dem gewesenen Khediven von Ägypten Abbas Hilmi getroffen wurde, wonach wir auf ganz Erez Israel verzichten und uns mit einem kleinen Kanton um Tel Aviv begnügen. Wir wußten uns keinen Rat zu schaffen mit der Naivität, mit der breite zionistische Kreise diese Nachricht aufnahmen. Irgendwo in London saß ein indischer Journalist, der erdachte sich ein Märchen und ging damit von Redaktion zu Redaktion hausieren. Keine ernste Zeitung wollte es annehmen, da fand sich eine zionistische Gruppe, deren Zentralbüro sich in London befindet und deren Hauptaufgabe darin besteht, der Exekutive scharf auf die Finger zu schauen, daß sie ja nicht Erez Israel verkaufe, und diese Gruppe kaufte oder bekam diese Nachricht, und schon wurden Pressekonferenzen einberufen und Telegramme in alle Ecken der Welt geschickt: „Juden, Palästina ist in Gefahr, die Exekutive hat den Kontrakt vielleicht schon unterschrieben und morgen werdet Ihr in Palästina nichts außer Tel Aviv haben!" Wir schrieben Briefe in alle Länder, wir telegraphierten, gaben Erklärungen in der Presse. Ich selbst unternahm eine Reise nach Polen, unter anderem, um diesem Spuk eine Ende zu machen. Und nach einer Sitzung mit den Zentralkomitees aller Parteien in Warschau sagte mir einer der Teilnehmer: „Schön, das ist Politik. Aber was ist wirklich wahr daran?" (Heiterkeit.) Ich wundere mich eigentlich, daß auf der vorjährigen Aktionskomiteesitzung die Exekutive wegen der Affäre Abbas Hilmi nicht in den Anklagezustand versetzt wurde und daß in diesem Wahlkampf der Name Abbas Hilmi verschwunden war und wir — wenigstens in diesem Falle — nicht mehr Verräter waren. Aber jene, die die ganze Geschichte aufgewirbelt haben, die „Hüter des reinen, hundertprozentigen politischen Zionismus", auf die Frage, wo Abbas Hilmi geblieben sei — gaben sie keine Antwort. Ich habe das erwähnt, weil diese ganze Affäre sehr bittere Gedanken hervorgerufen hat, nicht über diese Gruppe, über die ich mich nicht gewundert habe, sondern über jenen großen Teil der zionistischen Welt, der so leicht jenem Journalisten auf den Leim gegangen ist. Solche Sachen ereignen sich nicht zufällig, sie sind Beweis von der Anormalität unserer inneren Beziehungen, von der Skrupellosigkeit der politischen Methoden der sogenannten Opposition. Die breite zionistische Öffentlichkeit muß endlich verstehen, daß nicht alles, was in den Zeitungen steht oder von den Monopolpatrioten behauptet wird, wahr ist. Und noch eines: die jüdische Welt befriedigt sich besonders in Zeiten, wenn die Lage in Erez Israel nicht glänzend ist, wenn die Ali ja eingeschränkt oder gar ganz eingestellt ist, mit „Politik". Alle sind wir ausgezeichnete Politiker. Jeder hat seine politischen Kombinationen und eines der höchsten Prinzipien zionistischer Politik ist offenbar: Was die Zeitung schreibt, ist wahr, was aber die Exekutive sagt, muß man mit zwanzigfacher Vorsicht aufnehmen. Ich könnte noch viele solche Beispiele aufzählen, aber das eine genügt,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.