Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 152)
- Language
- German, English, Hebrew
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152 5- Kongreßsitzung: Organisationsreferat weg und die einzige Möglichkeit ihres Lebens. Auch in Amerika sind große Teile der jüdischen Bevölkerung im Laufe der letzten Jahre in eine äußerst prekäre ökonomische Situation geraten und die Illusion, daß es in Amerika, wenigstens wirtschaftlich gesehen, keine Judenfrage gäbe, ist zerstört. Dazu ist die Tragödie in Deutschland gekommen, welche einer überaus großen Zahl von Juden in Deutschland sowohl als in anderen Ländern die Augen geöffnet hat, die bisher der Ansicht waren, daß die Judenfrage durch formale Gleichberechtigung, durch gesellschaftlichen Aufstieg und durch Assimilation radikal und endgültig gelöst werden könne. Der Bankrott dieser Assimilations-Ideologie hat eine gewaltige zionistische Stimmung auch in den Ländern Mittel- und Westeuropas erzeugt. Wenn ich von zionistischer Bewegung rede, so verstehe ich darunter alle jene Formen, in denen sich der Wille jüdischer Menschen, sich an der konkreten Arbeit am Aufbau Erez Israels zu beteiligen, manifestiert. Dazu gehört vor allem die Zionistische Organisation und alle ihre Zweige, die zionistische Jugendbewegung aller Richtungen, die Frauenbewegung, die Sportbewegung, die Liga für das arbeitende Erez Israel, die Kulturbewegung in ihren verschiedenen Formen, die zionistische und pro-zionistische Presse in der ganzen Welt. Auf all diesen Gebieten ist ein gewaltiges Wachstum zu verzeichnen. In der Entwicklung der Zionistischen Organisation muß nicht nur ein gewaltiges Anwachsen der Schekelzahler, sondern vor allem auch ein Anwachsen der Zahl der Wähler zum Zionistenkongreß konstatiert werden. Noch kein Zionistenkongreß hat solche Zahlen gesehen. Im Jahre 1931 haben sich 234.000 Juden an der Wahl beteiligt, und wenn wir die Länder berücksichtigen, in denen damals auf Grund von einheitlichen Listen Wahlen nicht notwendig waren, so können wir die Wählerzahl auf höchstens etwa 300.000 erhöhen. Heuer haben wir über 535.000 Wähler gehabt, ein gewaltiges Wachstum, das uns mit allem Recht zu sagen erlaubt, daß der Zionistenkongreß ein wirkliches jüdisches Volks-parlament geworden ist. Diese Zahlen haben eine umso größere Bedeutung, als in einigen Ländern wie etwa Amerika, Südafrika, England, die Zahl der Wähler nicht gewachsen, sondern eher zurückgegangen ist. Das große Wachstum fand in den Ländern Osteuropas und in Erez Israel statt. Nur einige Beispiele: In Erez Israel haben sich 59.500 Juden, in Kongreßpolen 214.000, in Ostgalizien 76.500, in Westgalizien 28.000, in Litauen 26.000, in Lettland 20.000 Juden an der Wahl Beteiligt. Man kann sagen, daß die wichtigsten gesellschaftlichen, sozialen und politischen Auseinandersetzungen innerhalb des jüdischen Volkes sich auf dem Boden des Zionistischen Kongresses abspielen. Der Kongreß ist die stärkste und größte Realität im jüdischen Leben geworden. MÄNGEL UND GEFAHREN. Diese erfreulichen Tatsachen erlauben-uns jedoch nicht, die Schattenseiten im Leben unserer Organisation zu übersehen. Vor allem muß der Umstand erwähnt werden, auf den bereits im Bericht des Kongreßgerich-