Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 151)
- Language
- German, English, Hebrew
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Jaffe, Locker 151 REFERAT ÜBER DIE ZIONISTISCHE ORGANISATION UND IHRE PROBLEME. BERL LOCKER (Mitgl. d. Zion. Ex. — spricht pidisch): Verehrter Kongreß! Ich habe nicht die Absicht, Ihnen einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit unseres Organisations-Departements in den letzten zwei Jahren zu erstatten. Sie finden diesen Bericht in dem gedruckt vorliegenden Gesamtbericht der Exekutive. Ich will die halbe Stunde, die mir zur Verfügung steht, dazu benützen, um einige der allerwichtigsten Probleme anzudeuten, die meiner Ansicht nach im gegenwärtigen Augenblick vor unserer Organisation stehen. Über Einzelheiten wird in der Kommission gesprochen werden. SEIT ZWEI JAHREN. Wir befinden uns heute in einem anderen Zustand als auf dem siebzehnten Kongreß. Vor zwei Jahren befand sich der Zionismus in einer ideologischen Defensive. Als wir vom XVII. Kongreß gingen und über den Zustand nachdachten, in dem sich unsere Organisation befindet, da fragten wir uns: Wie kann man der gegen den Zionismus, die jüdischen Massen, die jüdische Jugend gerichteten Offensive entgegenwirken, einer Offensive, die von anderen politischen Bewegungen, besonders von der kommunistischen Bewegung ausging? Wir können mit einer gewissen Sicherheit sagen, daß der Zionismus diesen Zustand ideologischer Defensive überwunden hat und die zionistische Idee sich heute in einer neuen starken ideologischen Offensive befindet. Die zionistische Stimmung, die Palästina-Stimmung, hat die gewaltige Mehrheit der jüdischen Massen in der Welt, besonders aber in Osteuropa, erfaßt. Die zionistische Bewegung — ein etwas engerer Kreis als die zionistische Stimmung — ist sehr bedeutend gewachsen. Der Zustand der Zionistischen Organisatio?i — das muß man sagen — kann uns nicht befriedigen. Was ist in diesen zwei Jahren geschehen? Die zionistische Analyse der Judenfrage hat durch die Ereignisse der letzten zwei Jahre eine neuerliche verschärfte Bestätigung gefunden. Die wirtschaftliche Lage der jüdischen Massen in den Ländern Osteuropas ist trostloser denn je. Die allgemeine Wirtschaftskrise und die Wirtschaftspolitik der einzelnen Regierungen hat die Tendenz zur Verdrängung der Juden aus allen ihren Wirtschaftspositionen aufs äußerste verschärft. Das Problem der Umschichtung, des Überganges zu produktiven Berufen, ist noch brennender geworden als es schon früher war. Gewaltige Massen unseres Volkes sind jahrelang völlig erwerbslos und haben keine Aussicht, jemals zum Erwerbsleben zurückzukehren. Besonders tragisch ist die Lage unserer Jugend, die in ihren großen Massen keinen Weg im Leben vor sich sieht. Das Auswanderungsbedürfnis ist im Vergleich zu den Vorkriegsjahren ungeheuer angewachsen, während die Tore aller Länder für unsere Einwanderung fast hermetisch gesperrt sind. Erez Israel ist heute schon zum wichtigsten jüdischen Einwanderungsland geworden; es ist nicht mehr die Angelegenheit einer nahen oder fernen Zukunft, sondern große Massen des Volkes und unserer Jugend sehen in der Alija den einzigen Aus-