Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 148)
- Language
- German, English, Hebrew
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148 5- Kongreßsitzung: Referat über Keren Hafessod liehe Lage Palästinas darf nicht als Einwand dienen. Wir müssen dem jüdischen Volke klar machen, daß wir nicht für den Jischuv in Palästina sammeln. Dieser braucht zwar zu seiner Stärkung Kraftquellen aus dem Galuth, aber er könnte vielleicht auch schon aus eigenen Kräften leben. Es handelt sich aber nicht um den bestehenden Jischuv in Palästina, es handelt sich um die jüdischen Massen, die in allen Ländern nach Erez Israel lechzen, die eine letzte Rettung für sich suchen, um die deutschen Juden, die polnischen Juden und die Juden in anderen Ländern. Es handelt sich nicht um die 225.000 Juden in Palästina. Soviel Juden und mehr haben wir in vielen einzelnen Städten in der Diaspora. Es handelt sich um die Sache des ganzen, zerstreuten jüdischen Volkes, es handelt sich um die Fortsetzung unseres Werkes, um die Wiederbelebung des jüdischen Volkes, um den Aufbau der jüdischen Heimat. Den Juden muß klar gemacht werden — und ein großer Teil des jüdischen Volkes beginnt schon, es zu verstehen —, daß Palästina nicht eine Sache der Hilfe für andere, sondern eine Selbsthilfe ist, daß Palästina den Juden unvergleichlich mehr gibt, als sie Palästina geben oder geben können. Palästina zahlt eine ungewöhnlich große Dividende. Es gibt Ehre, Stolz, Schönheit, Lebensinhalt und Rettung ihren Kindern. Man muß sich auch klar machen, daß ohne das nationale Kapital jedwede Grundlage für die Privatinitiative fehlt, daß die Privatinitiative nur dort existieren und aufblühen kann, wo für sie die Vorbedingungen durch das nationale Kapital geschaffen wurden und wo sie seine Hilfe findet. Wie könnten wir jetzt das nationale Kapital missen, wo die jüdischen Massen verarmt sind, wo sogar der Mittelstand, von dem soviel gesprochen wird, an der Grenze der Verarmung steht? Die Einwanderer brauchen Boden, den ihnen der Keren Kayemeth geben muß. Sie brauchen Ansiedlung und billige Kredite, die ihnen der Keren Hajessod geben muß. Der jüdische Pflanzer und Fabrikant, der nicht den billigen Arbeiter beschäftigen will, kann den Arbeiter nicht selbst ins Land bringen. Es müssen alle Bedingungen geschaffen werden, die sonst der Staat schafft. All das kann die Privatinitiative, auf sich allein gestellt, nicht tun. Wir sind zuversichtlich, daß in Zukunft die Arbeit für unsere Fonds leichter werden wird. Die jüdische Geschichte zeigt mit Zeichen von Feuer und Blut, wohin der Weg zur jüdischen Erlösung führt. Eine durchgreifende innere Umwälzung geht durch das Judentum. In weiten Kreisen des jüdischen Volkes bricht mit furchtbarer Gewalt die Erkenntnis durch, daß unsere Auffassung der jüdischen Wirklichkeit, unsere Prognose der jüdischen Zukunft richtig war. In grellem Licht sieht jetzt das jüdische Volk, wie recht wir hatten. Hätten die Juden in diesen langen Jahren auf unsere Warnungen gehört, dann wäre die Lage in Palästina heute anders und anders wäre unser Ansehen in der ganzen Welt. Dann müßten nicht tausende und tausende Heimatlose und Verzweifelte aus Polen, Rußland und Deutschland vergebens an die Tore unseres Landes klopfen, weil das Land nicht vorbereitet wurde, weil die politische Konjunktur und die relativ noch günstige wirtschaftliche Lage des Judentums in den Jahren seit der Balfour-Deklaration nicht ausgenützt wurde. Palästina ist jetzt dem jüdischen Blick auch räumlich nähergerückt. Die vielen Gäste und