Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 138)
- Language
- German, English, Hebrew
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138 jf. Kongreßsitzung: Referat über Palästinawirtschaft das leisten, was ein normales, gesundes und zweckmäßiges Vorgehen ist. Es gibt wohlbekannte Rezepte. Das eine beginnt mit der landwirtschaftlichen Zelle, die womöglich wirtschaftlich selbständig sein soll, schreitet dann zu dem Dorfe weiter und erwartet zu gegebener Zeit die aus Gehöft und Dorf allmählich und naturgemäß sich entwickelnde Entstehung von Märkten und Städten. Ein zweites will zunächst einen gesunden Bauernstand und dann erst eine Klasse städtischer Arbeiter, ganz zum Schluß Handwerker und Intelligenz schaffen. Aber ich wiederhole: Wir arbeiten nicht in einem Vakuum. Wir sind durch Umstände, die außerhalb unserer Kontrolle stehen, genötigt, das Tempo zu beschleunigen. Wir können, auch wenn wir wollten, den Aufbau von Städten und selbst von Großstädten nicht verschieben. Wir müssen alle Gefahren des abnormalen Vorgehens auf uns nehmen. Da landwirtschaftliche Kolonisation notwendiger Weise langsam geht, müssen wir im äußersten Maß und ohne einen Augenblick des Zögerns die großen Möglichkeiten städtischer Siedlung ausnützen, ohne zu warten, bis die Landwirtschaft nachkommt. Damit widersprechen wir gesunden Wirtschaftsgrundsätzen nicht mehr, als wenn wir heute z. B. unsere Wirtschaft künstlich angesichts der konkurrierenden billigen arabischen Arbeit auf dem relativ hohen Lohnniveau des jüdischen Arbeiters aufbauen. So lange landwirtschaftliche Kolonisation nicht nachweisbar zu einem bisher ungeahnten Tempo beschleunigt werden kann, bleibt uns nichts anderes übrig. Etwa 27 Prozent der jüdischen Bevölkerung Palästinas leben heute auf dem Lande; etwa 17 Prozent sind tatsächlich in landwirtschaftlichen Berufen beschäftigt. Zwar haben, wie Ruppin zeigt, Dänemark und die Schweiz landwirtschaftliche Bevölkerungen von 26 bezw. 35 Prozent gegen 17 Prozent in unserem Falle, aber diese glücklichen Länder haben nicht das Problem der Beschleunigung ihrer Aufnahms-Kapazität, nach dem klassischen Ausdruck von Mr. Brodie. Wir müssen der Wahrscheinlichkeit eines weit größeren Mißverhältnisses resolut ins Gesicht sehen. Wir dürfen das mit gutem Gewissen und ohne Besorgnis, wenn wir verstehen, daß in Palästina unsere Städte nicht auf Kosten der Dörfer wachsen, wie das in anderen Ländern der Fall ist, sondern daß sie auf Kosten des Galuth wachsen; während andererseits in Palästina im Gegensatz zu anderen Ländern eine merkliche Strömung von der Stadt nach dem Lande geht. Damit meine Stellungnahme nicht mißverstanden wird, möchte ich noch erklären, daß ich nicht die Vernachlässigung oder gar die Einstellung unserer landwirtschaftlichen Bemühungen befürworte, aber ich muß offen die Tatsache erklären, daß wir auf diesem Gebiete auf Hindernisse stoßen werden, Hindernisse und Beschränkungen, die den palästinensischen Bedingungen entspringen, von politischen und finanziellen Faktoren diktiert sind, und andere Beschränkungen unserer landwirtschaftlichen Möglichkeiten, die vielleicht erst mit der Zeit verschwinden werden. Und das ist der Kern unseres Problems. Ich möchte nun die Politik in strikterer Form konkretisieren: Insofern, als unsere nationalen Bemühungen und nationalen Fonds in der