Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 137)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476290--8544-3484694- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Neumann 137 diese Dinge auch sein mögen, selbst sie müssen, angesichts unserer Lage in der Welt, der vielen Katastrophen in der Diaspora, des Hinschwindens kostbarer Jahre, als Dinge sekundärer Wichtigkeit betrachtet werden. Solange diese Ueberzeugung nicht in den Köpfen und den Herzen unserer Leute eingewurzelt ist, werden wir in einen Morast auseinanderstrebender und einander widersprechender Arbeiten und Maßnahmen, wichtiger und sinnloser Bestrebungen versinken und jede Möglichkeit jener Einheitlichkeit und nationalen Konzentration verwirken, die erreicht werden muß, wenn wir zum Ziele kommen sollen. Alles, was direkt und machtvoll zur raschen und völligen Verwirklichung unserer Bestrebungen beiträgt, ist gut und muß stetig und unermüdlich verfolgt werden; was nicht zu dem höchsten Ziele beiträgt, was uns auch nur um Haaresbreite von ihm abbringt, was unsere nationalen Energien ablenkt, ist unnütz und daher schlecht. All dies sollte offenkundig und selbstverständlich sein. Wenn wir trotzdem versuchen, diese Wahrheiten anzuwenden, finden wir uns immer noch inmitten überlebter Kontroversen über die Vorzüge städtischer Kolonisation gegenüber der ländlichen, über erwünschte oder unerwünschte Einwanderertypen, über Budget- und Finanzfragen. Aber die Lage, die wir vor uns sehen, muß unsere Politik mit ihrer eigenen, eisernen Logik bestimmen. Welche Kolonisationstypen und -methoden? Offenbar diejenigen, die möglichst viele Juden in möglichst kurzer Zeit absorbieren. Welche Einwanderertypen oder -Massen? Offenbar die, die durch ihre Arbeit nicht nur sich selbst nach Palästina verpflanzen, sondern möglichst viel Raum für weitere Einwanderer in möglichst kurzer Zeit schaffen. Welche Budget- und Finanzpolitik? Jene, die am direktesten und unmittelbarsten zu stärkster wirtschaftlicher Entwicklung, stärkster Absorbierung von Juden, stärkster Beschleunigung des Tempos beiträgt. Es kann nicht stark genug betont werden, daß, ganz abgesehen von einer Politik, die zu befolgen wir uns angesichts dieser unabweisbaren Erwägungen genötigt sehen könnten, deswegen nicht lieb gewordene Weltanschauungen, soziale oder wirtschaftliche Ueberzeugungen verworfen werden müssen. Was sein muß, ist vorübergehende Ausschaltung schöner, an sich sehr wünschenswerter Grundsätze, die aber angesichts der nationalen Not beiseite gestellt werden müssen. „Inter arma silent leges". Das jüdische Volk ist wirklich, wenn auch nicht aus eigenem Antrieb, im Kriegszustand, und der Kriegszustand fordert restlose Unterordnung individueller oder parteimäßiger Ansichten unter die höchste Notwendigkeit der Stunde. Prüfen wir einmal diese Kolonisations-, Einwanderungs- und Finanzfragen genauer im Licht des entscheidenden Kriteriums, das wir aufgestellt haben. KOLONISATIONSFRAGEN. Wenn wir in Palästina in einem sozialen, politischen und wirtschaftlichen Vakuum arbeiteten und die Zeit nicht drängte, könnten wir uns