Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 136)
- Language
- German, English, Hebrew
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^. Kongreßsitzung: Referat über Palästinawirtschaft Textü-Heimindustrie in Indien wird von den indischen Nationalisten leidenschaftlich verfolgt und als wirtschaftlicher Fortschritt begrüßt, während gleichzeitig die Fabriksbevölkerung von Lancashire sie als rückschrittlich und verderblich empfindet. Ich gehe davon aas, daß nach all diesen Jahren keine große Meinungsverschiedenheit über das Kriterium bestehen kann, welches wir für Palästina anzuwenden haben, das uns als Maßstab für die wirtschaftliche Entwicklung dienen kann. Die Probe, die untrügliche Probe aufs Exempel, läßt sich kurz formulieren: Wie weit fördert diese Entwicklung die volle und rasche Verwirklichung der zionistischen Ziele? Hier möchte ich eine Darstellung des zionistischen Endziels zitieren, die vor einigen Jahren von Justice Brandeis gegeben wurde: „Palästina in möglichst kürzester Zeit mit einer überwiegenden Zahl starker^ wirtschaftlich selbständiger Juden zu besiedeln ..." Zu dieser Formulierung gehören zwei Hauptmerkmale: Die maximale Zahl Juden und die möglichst kurze Zeit. Wenn diese Auffassung unseres Grundproblems richtig war, als sie vor etwa dreizehn Jahren niedergeschrieben wurden, dann gilt sie heute mit vielfacher, potenzierter Kraft. Ich würde es verschmähen, allbekannte Binsenwahrheiten zu wiederholen^ wenn wir nicht immer vor ihren logischen Konsequenzen zu- *rückscheuten. Gute und ehrliche Leute erfassen solche Wahrheiten oft genug mit ganzem Herzen, doch fehlt ihnen nachher der Mut ihrer Ueberzeugung und — leider muß man es sagen — auch die Ehrlichkeit der Ueberzeugung, um die nötigen und unvermeidlichen Folgerungen zu ziehen. Diejenigen von uns, die die Lage in Palästina aus der Nähe beobachtet haben, wissen, daß wir tatsächlich nur beschränkte Zeit haben — es ist keine Uebertreibung zu sagen, daß wir außerordentlich beschränkte Zeit haben — um die Verwirklichung unserer Absichten durchzusetzen. Es kann gar nicht stark genug unterstrichen werden, daß wir nicht im luftleeren Raum arbeiten, daß Umstände, die sich vor unseren Augen in beängstigender Geschwindigkeit entwickeln, darauf hinarbeiten, unserem weiteren Fortschritt unübersteigliche Hindernisse zu bereiten. Ob sie uns in zehn oder in fünfzehn Jahren die Arbeit unmöglich machen können, hängt von unserer zahlenmäßigen Stärke und wirtschaftlichen Kraft im Augenblick der Entscheidung ab. Mag der Wert unserer Arbeit in Palästina von irgendwelchen anderen Gesichtspunkten aus sein wie immer, unzweifelhaft ist, daß es vom nationalen Standpunkte als solchem nur ein Kriterium geben kann. Vom Standpunkt unseres nationalen Endziels sind jene wirtschaftlichen Entwicklungen und Tendenzen erwünscht, die die Absorbierung einer möglichst großen Zahl von Juden in Palästina und ihre Einreihung in den Wirtschaftsprozeß innerhalb kürzester Zeit ermöglichen. Ich will damit nicht sagen, daß dies das einzige ist, was wir brauchen. Man kann eine lange Liste von erwünschten, sogar notwendigen Dingen aufzählen, wie möglichste Einheitlichkeit des kulturellen Niveaus, fortschrittliche soziale Lebensformen, rasche und vollständige Hebraisierung, hoher sozialer und ethischer Standard. Wie wichtig aber all