Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 121)
- Language
- German, English, Hebrew
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Böhm 121 Würde es gelingen, die bisher festgestellten Werte, wie ausgeführt, von einer eigenen Gesellschaft ablösen zu lassen, dann wäre es für den K.H. finanziell und organisatorisch viel leichter, diese Aushilfe in der Zukunft zu leisten. Durch den Abschluß der Verträge mit den Siedlern und der nach einverständlicher Schätzung erfolgten Festsetzung der von diesen geschuldeten Beträge hat die Leitung des K.H. jedenfalls einen großen Schritt zur Klärung der Lage und zur Grundlegung seiner weiteren Tätigkeit getan. Wenn man veranschlagt, daß er seine Tätigkeit zu einer Zeit begonnen hat, wo die Preise fast genau doppelt so hoch standen, wie heute, daß aus der schweren Lage des K.H., der meist nie rechtzeitig im Herbst die bewilligten Summen leisten konnte, sondern viel zu spät und zu unregelmäßig, Defizite entstanden, daß es si'ch im Emek um eine der schwierigsten Pionierkolonisationen auch im landwirtschaftlich-technischen Sinne gehandelt hat, so ist die Tatsache, daß die vorhandenen Werte 65 °/0 des aufgewendeten Kapitals betragen, eine in der Geschichte der Neukolonisation, auch großer Staaten, beispiellose Leistung. VOM LOHNARBEITER ZUM EIGENSIEDLER. Die Entwicklung eines nationalen Kolonisationsprogramms ist nicht Sache dieses Referats. Doch sei hier aus prinzipiellen Gründen angemerkt, daß es völlig verfehlt wäre zu glauben, daß in der Struktur der jüdischen Heimstätte eine Verewigung eines Standes lohnempfangender Landarbeiter möglich wäre. Die Annahme von Lohnarbeit tarn Lande wird auch von der Arbeiterschaft selbst nur als Durchgangsstadium zur Selbständigkeit angesehen, das meistens leider sehr lange dauert — es warten Arbeiter i1/2 Jahrzehnte und länger auf Ansiedlung — das aber nicht verewigt werden kann. Wir selbst, die verantwortlich sind für Gestaltung der Nationalen Heimstätte, müssen klar erkennen, daß geschichtliche Erfahrung in Politik und Sozialökonomie, ferner wirtschaftliche und nationale Notwendigkeit, sowie jüdische Eigenart es gebieten, daß wir der Landarbeiterschaft zur Eigenwirtschaft verhelfen. Zunächst ist der Plan der „Ansiedlung der tausend", der noch nicht zur Hälfte durchgeführt ist, fortzuführen. Ferner ist die Kolonisationshilfe zu leisten für Besiedlung der K.K.L.- Böden, wobei die heute schon geübte Praxis, daß die Siedler ein gewisses Minimum an Mitteln besitzen müssen, festgehalten werden muß. Ob die Kandidaten, landwirtschaftlich ausgebildet und mit den nötigen Mitteln versehen, aus dem Arbeiter- oder dem sog. Mittelstand stammen, ist für die Praxis gleichgültig. Beide Schichten haben dasselbe Recht auf Ansiedlung und diese vermeintlichen Klassenunterschiede werden sich von selbst verwischen, wenn alle Siedler zu einer Schicht selbstarbeitender Landwirte gemacht sein werden. Zu den bisherigen Aufgaben der Kolonisationshilfe tritt jetzt noch die für Ansiedlung deutscher Juden, wofür ein besonderer Fond gesammelt wird. Damit befaßt sich ein spezielles Referat.