Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 85)
- Language
- German, English, Hebrew
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Wilkanshy 85 Israel. Gewaltige Kräfte schlummern im Innern der Erde. Beschränkt sind aber vorläufig die Kräfte, die auf der Erdoberfläche sichtbar werden. Und im Uebergang von der Gegenwart zur Zukunft, von den verborgenen zu den offenbaren Möglichkeiten, stoßen verschiedene Ansichten zusammen und entgleisen die besten Denker. Die alles rosa sehen, betrachten die Gegenwart aus 'der Perspektive einer vielversprechenden Zukunft. Die Schwarzseher betrachten die Zukunft von der beschränkten Möglichkeit der Gegenwart aus. Jede Ansicht hat ihre Existenzberechtigung und ihre Existenznotwendigkeit, wenn sie zur rechten Zeit und an rechter Stelle auftritt. Die eine hat vor sich den Aufbau des Volkes, die andere die Einordnung des Einzelnen, der schnelle Hilfe verlangt. Der Blick der gesamten Bewegung ist auf die Vision der Zukunft gerichtet. Der Kolonisator, der seine Pläne zu überreichen hat, ist an die gegenwärtige Wirklichkeit gebunden, und er kann nur die vorhandenen Möglichkeiten in Rechnung ziehen. Die Ansiedler der Zukunft werden von den vielen Zukunftsfrüchten leben. Der Ansiedler der Gegenwart, der sein täglich Brot verlangt, kann nicht von Prospekten, sondern nur von Aspekten leben. DIE RECHNUNG DES EINZELNEN UND DIE RECHNUNG DER NATION. Zwischen der Wirtschaft des Einzelnen und der Volkswirtschaft gibt es Auffassungsverschiedenheiten in Bezug auf Maßstab von Raum und Zeit. Die Volkswirtschaft spricht immer von der „Zehntausend- Einheit" gegenüber der Einzeleinheit oder höchstens der Hundert- Einheit, mit der der Einzelne zu rechnen hat. Der Atem des Einzelnen ist kurz, auf die Länge eines Tages bemessen. Die nationale Wirtschaft ist. langatmig und kann ein Vierteljahrhundert überdauern. Der Dilettant, der etwas Gemüse und Früchte züchtet, sieht die ganze Welt von seinem Gärtchen aus. Der Bauer, der Erfolg hat, wenn er für seine Wirtschaft einige Kühe oder einige Dunam Fruchtbäume hinzubekommt, neigt dazu, seinen Versuch als erfahrenes und geprüftes Heilmittel gegen jedes ökonomische Unheil vorzuschlagen. Der Kolonisator kann aber nicht ein Rezept für den Einzelnen als Heilmittel für die Vielen betrachten. Er vervielfacht in seinen Gedanken automatisch die 3000 Liter Milch, den Ertrag einer Kuh, und die 150 Eier, den Ertrag eines Huhnes, um das Tausendfache, und der Markt erscheint ihm völlig überschwemmt, ohne jede weitere Aufnahmemöglichkeit, auch wenn der Markt vom Auslandgetreide durch wolkenkratzerhohe Zollmauern abgesperrt ist. DER BLICK IN DIE ZUKUNFT. Das Aussehen des Landes am Ende aller Tage ist in den Visionen der Propheten dargelegt: „Und es wird Pflügen und Schnitt aufeinanderfolgen; der die Trauben tritt, wird nachkommen dem, der die Furchen des Weinbergs zieht. Die Berge quellen von Saft und die Hügel triefen von Ueberfluß". Dies ist die Vision der Bevölkerungs-