Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 84)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3476254-3476290--8491-3484641- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
84 j. Kongreßsitzung: Referat über Landwirtschaft REFERAT ÜBER PLANMÄSSIGE LANDWIRTSCHAFTLICHE KOLONISATION. AGRONOM JIZCHAK WILKANSKY (Arb., Erez Israel — spricht hebräisch): Einem Fachmann wird es schwer fallen, von dieser Tribüne über landwirtschaftliche Kolonisation zu sprechen. Die ersten Axiome in der Kette seiner Beweisführung sind mit einer verzweigten Technik verbunden. Ohne diese steht der Referent leer da. Wenn er sich aber mit dieser Technik bewaffnet und mit ihrer Hilfe auftritt, läuft er Gefahr, daß der Saal nach einigen Minuten leer ist. Wenn er nun einen mittleren Weg beschreitet und sich auf Kompromisse einläßt, so wird es seiner Beweiskraft kein Gewicht geben und die berufliche Schwerfälligkeit nicht mindern. Es gibt daher keinen anderen Weg als die technischen Gründe vorläufig zurückzuhalten und wurzelfeste Gesetze zu verlautbaren. DIE BESCHRÄNKENDEN PRODUKTIONSFAKTOREN. Die Landwirtschaft wird nach dem Komplex ihrer „beschränkenden Produktionsfaktoren" geprüft. Wie die Temperatur beim Thermometer und die Voltkraft beim Elektrizitätsmesser, so tritt auch der beschränkende Produktionsfaktor als Kraftmesser in der Landwirtschaft auf. Die primitive Wirtschaft ist in entscheidendem Maße den Naturkräften ausgesetzt und hängt nur sehr wenig vom Menschen ab. Die moderne Landwirtschaft macht alle Anstrengungen, um über die Grenzen der Naturelemente hinwegzukommen und ihre absolute Herrschaft auf Erden durchzusetzen. Trotzdem gibt es kein Entkommen vor den beschränkenden Produktionsfaktoren. Wir besitzen nicht die volle Herrschaft über die klimatischen Verhältnisse, über die Bodennatur, nicht einmal über die Natur des den Boden bearbeitenden Menschen. Ein langer Leidensweg ist von der Saat bis zur Ernte zu durchschreiten. Lang und verschlungen ist der Weg vom Speicher des Produzenten bis zum Tisch des Konsumenten. Und die Konkurrenzkraft der Produkte bei ihrem Kampf um den Weltmarkt steht in entgegengesetzter Proportion zu den Faktoren, die ihre Produktion beschränken. Die Landwirtschaft ist kein botanischer Garten, bei dem der Wachstumsfaktor allein ausreicht. Man kann durch künstliche Mittel auch am Nordpol zur Züchtung von Zitrusfrüchten gelangen, die vielleicht schön anzusehen und vielleicht sogar schmackhaft sind. Aber die Marktpreise werden durch Früchte bestimmt, die in natürlicher Weise und nicht in Treibhäusern gezüchtet werden. In Bezug auf die beschränkenden Produktionsfaktoren bestehen große Gegensätze zwischen der Gegenwart und der Zukunft, zwischen den Aspekten und den Prospekten, und verschieden sind die Auffassungen in der Einzelwirtschaft und in der Volkswirtschaft. ASPEKTE UND PROSPEKTE. Es gibt wenig Länder, in denen der Unterschied zwischen den potentiellen und den tatsächlichen Möglichkeiten so groß ist wie in Erez