Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 66)
- Language
- German, English, Hebrew
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66 2. Kongreßsitzung: Politisches Referat Wir müssen auch an die Zukunft denken und uns den Status der Juden Palästinas im Lichte der Entwicklungen in den Ländern rings um Palästina vergegenwärtigen. Niemals ist die Welt so im Flusse gewesen wie heute, und in der allgemeinen Wandelbarkeit der politischen Bedingungen nimmt der Mittlere Orient einen sehr wichtigen Platz ein. Palästina selbst ist im Flusse. Das Wesen des Mandats an sich ist ja Anerkennung der Tatsache, daß Palästina künftighin nicht sein soll, was es heute ist, daß es durch unsere Arbeit und unsere Einwanderung etwas anderes werden soll. Die Zeit ist gekommen, wo wir mit größter Sorgfalt unsere Beziehungen zu all den Faktoren durchdenken müssen, die diese Wandlungen beeinflussen, und die Frage des Gesetzgebenden Rates, ja selbst die Frage des Bodens und der Einwanderung, die Frage der Präferenzzölle und tausend und ein anderes Problem, die unsere Arbeit beeinflussen, müssen sämtlich von dem Gesichtspunkt der Wandlung betrachtet werden, in der die Welt heute steht, und die unseren Winkel der Welt mindestens so stark beeinflussen wird, wie irgend einen anderen. Palästina liegt an den Heerstraßen der Menschheit. Wenn einst, in den Tagen der ägyptischen Dynastien und der Könige Judas und Israels, Palästina das Land war, durch welches die Armeen von Norden nach Süden und von Süden nach Norden marschierten, und auf seinen Straßen die großen Karawanen zogen, die Güter und Kultur von Afrika nach Asien und von Asien nach Afrika brachten und auch mit unserer Geschichte viel zu tun hatten, (denken wir nur an die Wanderung Abrahams nach Kanaan und die Josefs nach Aegypten), so ist Palästina heute der große Durchgang von Osten nach Westen und von Westen nach Osten geworden. Ob es uns freut oder leid tut, das Land, mit dem unsere Zukunft verknüpft ist, ist einer der wichtigsten strategischen Punkte der Welt. Es kann der Menschheit nicht gleich sein, was in Palästina geschieht. Nicht nur vom religiösen Gesichtspunkt, der nur einen verhältnismäßig kleinen Teil der Menschheit interessiert. Die politische und wirtschaftliche Bedeutung Palästinas hat mit dem Leben nicht nur Hunderter von Millionen in Europa, sondern auch jener Hälfte der Menschheit zu tun, die in Asien und Australien lebt. Mitten in diesen Hauptknotenpunkten der großen Straßen der Welt bauen wir unser Heim. Bauten wir es in irgend einem abseitigen Winkel der Erde, so könnten wir auf politische Formeln und konstitutionelle Finessen verzichten. Aber in Palästina ist das nicht möglich. Darum muß unser Status in Palästina so sorgsam gesichert und gefestigt sein, damit, wenn die großen Einflußströme der Menschheit durch unser Land fließen, im Lande selbst das Volk sich verwurzeln kann, dem das Land kraft der Geschichte gehört (Beifall). All dies bedeutet politische Probleme höchster Kompliziertheit. Vor allem anderen das Araher-problem. Einiges ist durch Dr. Arlosoroff geschehen. Aber das Problem ist gewaltig und mannigfach, und wir werden immer an unserem Verantwortungssinn und unserer Mäßigung in dieser Richtung festhalten. Wir wünschen Freiheit für Einwanderung