Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 62)
- Language
- German, English, Hebrew
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62 2. Kongreß Sitzung: Politisches Referat deutung für uns, wenn er nicht bedeutete, daß Palästina ebensogut das Land der Juden ist, die dorthin fliehen, wie das Land der Juden, die freiwillig dorthin gehen. Das Jüdische Nationale Heim ist nur dann eine Wirklichkeit, wenn es das Land darstellt, wo ein Jude zuversichtlich auf Einlaß rechnen kann, weil er ein Jude ist und weil es das Land der jüdischen Zukunft ist. Was wäre sonst der Sinn all unserer Opfer? Warum haben die Chaluzim in Palästina gearbeitet? Warum haben wir uns durch jede Krise hindurchgekämpft, um nur unsere Rechte im Lande durchzusetzen? Ich bin überzeugt, und meine Ueberzeugung wird von Tag zu Tag stärker, daß alles, was das Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen uns und der Mandatarmacht schädigt, ein Unglück ist, das fast um jeden Preis vermieden werden muß. Wir alle anerkennen dankbar die verständnisvollere Haltung des jetzigen Regimes uns gegenüber. Wir Juden haben bei Weitem zu wenig Freunde in der Welt, um uns nicht über die Freundschaft Großbritanniens zu freuen, und in der Geschichte der dunklen Tage, die wir jetzt durchleben, wird mit Freude die große Welle der Entrüstung und des Protestes verzeichnet werden, die durch die ganze Kulturmenschheit und vor allem wohl durch das große britische Volk gegangen ist. Ich frage aber: wo ist der Reflex dieser Entrüstungswelle für die Zulassung der Juden nach Palästina? (Lebhafter Beifall.) Vielleicht ist in diesem oder jenem Lande kein Raum für weitere Juden, Ländern, auf welche die Juden als Juden keinen weiteren Anspruch als den der Menschlichkeit haben, aber in Palästina ist Raum für Juden. Dazu ist Palästina ja da, das ist der Zweck des Jüdischen Nationalen Heimes und das ist die Aufgabe, zu deren Erfüllung das britische Mandat geschrieben wurde (Beifall). Und an dieser Stelle möchte ich eine feierliche Warnung aussprechen gegen die Ueberklugheit einiger von uns, die das echte Wesen des Zionismus zu sichern glauben, wenn sie erklären, daß Palästina nicht für das Galuth da ist. Ich kenne alle theoretischen Gründe für diese Auffassung. Aber wir müssen Realisten sein. Wie können wir über andere Völker klagen, weil sie jüdische Flüchtlinge aus Deutschland ausschließen, wenn wir selbst uns vorstellen können, daß Palästina nichts zu tun hätte mit dem stärksten Drang der jüdischen Not, dem Drang nach Rettung aus Verfolgung und Vernichtung? In Palästina ist Raum für Hunderttausende von Juden in den nächsten paar Jahren und für Millionen von Juden in den nächsten Generationen. Je mehr Juden nach Palästina kommen, desto größer wird die Aufnahmefähigkeit sein, denn wir bringen in das Land unsere Energie und unsere bescheidenen Ersparnisse, wir bringen' den Glauben an unsere Zukunft und an die Zukunft des Landes mit, den Glauben, der die Wunder wirkt, die jeder Besucher, ob Jude oder Nichtjude, mit Händen greift. Die viel gerühmte Prosperität Palästinas ist kein Zauberkunststück. Sie ist die Wirkung des jüdischen Glaubens an das Land und der jüdischen Arbeit für das L,and. Wenn dies fehlt, fällt die Prosperität Palästinas zusammen wie ein Kartenhaus. Das weiß jeder. Das weiß