Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 46)
- Language
- German, English, Hebrew
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46 /. Kongreßsitzung: Begrüßungen der ganzen Welt, sondern auch vor der nichtjüdischen Welt, in aller Oeffentlichkeit zu sagen, was wir wollen, was wir erstreben und welches unsere Ziele sind. Der großartige Gedanke unseres verstorbenen Führers, Theodor Herzl, die Zionistenkongresse öffentlich abzuhalten und sie zu unserer Welttribüne zu machen, auf welcher das jüdische Volk vor der ganzen Welt seine Klagen und seine Wünsche zum Ausdruck bringen kann, soll auch bei uns die wohltätige Wirkung haben, daß alle diejenigen, welche nicht wissen, was wir sind und was wir wollen, uns kennen lernen. Gleichzeitig soll er eine wohl nicht aggressive, aber klare und unwiderlegbare Antwort an alle jene Teile des Judentums sein, welche uns herabsetzen wollen und welche Jahrzehnte hindurch das Bestreben hatten, aus dem großen und ernsten Gedanken der Wiedergeburt unseres Volkes eine kleinliche Sprachenfrage zu machen. Sie alle mögen sich von dem Ernst unserer Bestrebungen überzeugen, die vor allem das Ziel verfolgen, unser Volk zu normalisieren. Wir wollen, daß sich unser Volk in die politischen Formen eingliedere, in welchen alle übrigen Nationen leben. Das ist der Sinn des Zionismus, das sind die Ziele unserer Politik. Die Frage, ob wir ein Volk sind oder nicht, ist für uns schon längst im positiven Sinne gelöst. Trotzdem sind wir uns dessen bewußt, daß wir kein normales nationales Leben führen. Wir sind uns seiner Mängel bewußt und gerade sie sind der Grund für das Mißtrauen, das man uns entgegenbringt und dafür, daß man unsere schwere und leidvolle Lage nicht begreifen will. Wir sind ein Volk und sprechen zum allergrößten Teil nicht unsere nationale Sprache. Wir haben eine große und reiche Literatur, aber unsere Jugend befaßt sich mit den großen Schätzen unserer Kultur nicht, weil sie sie zum großen Teile nicht kennt. Wir haben keinen eigenen Boden unter den Füßen und sind durch tausend Jahre vogelfrei unter den Völkern, ohne eigene Heimat. Die Normalisierung unseres nationalen Wesens und die Eingliederung in die politischen Formen, in welchen die übrigen Völker leben, suchen wir zu erreichen, indem wir zwei Ziele anstreben: erstens die Errichtung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Nationalen Heimstätte in Palästina, d. i. die Erfüllung des Basler Programms; diesem Ziele waren alle Kongresse, die bisher abgehalten worden sind, gewidmet. Unser zweites Bestreben gilt der Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland. Diesem Bestreben ist unsere politische Tätigkeit gewidmet, welche wir hier in diesem Lande als jüdische politische Partei betreiben. Hand in Hand mit den übrigen staatsbildenden und staatstreuen Parteien bemühen wir uns mit allen Kräften, den Ausbau und das Aufblühen unserer Cechoslovakischen Republik zu fördern, wobei wir die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte einer nationalen Minderheit in Anspruch nehmen. Es wäre undankbar, wenn wir nicht dessen gedenken würden, daß der fortschrittliche Geist