Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1934-01-01 · 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933 · p. Seite 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
Date
1934-01-01
Page
Seite 39 (sequence 39)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3476254-3476290--8446-3484596
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sokolow, Pavlü 39 Wir haben den schweren Weg gewählt, weil er der einzige ist, der zum Ziele führen muß. Wir wollen die Synthese und das Gleichgewicht. Bei einem Volke, wie bei einem Baume, muß alles zugleich wachsen. Es ist nicht gut, wenn ein Ast eines Baumes sich allein zu ragender Höhe entwickelt und nun vereinzelt vom Sturm hin- und hergeschüttelt wird. Sind alle Aeste gleich hoch gewachsen, halten sie dem starken Ansturm Trotz. Wir gehen mit einer Fülle von ernsten und schwierigen Aufgaben in die nächste Zeit hinein. Nicht graue Theorien sollen ausgesprochen, sondern praktische Wegzeichen aufgerichtet werden, Richtlinien für die weitere Arbeit. An Verhandlungsstoff fehlt es dem gegenwärtigen Kongreß sicherlich nicht. Eine Fülle von Themen bietet sich dar und die Debatten werden wohl zur Vertiefung der Erkenntnis der Probleme beitragen. Doch soll ob diesen politischen und wirtschaftlichen Fragen die Sorge um das geistige Wohl des Volkes nicht verkümmern. Die Erhaltung der hebräischen nationalen Schule ist die große Pflicht des Zionismus. Das alte Wort „Wer die Schule hat, hat die Zukunft" paßt auf ein Renaissance-Volk, wie wir es sind, noch mehr als auf ein normales Gemeinwesen von ununterbrochener Existenz. Wir rechnen auch die Förderung unserer nationalen Literatur in Erez Israel zu den unabweichbaren Pflichten einer zionistischen, nationalen Organisation, denn in ihr beruht ein großer Teil des Einflusses und der Geltungskraft unseres Ideals. Die national orientierte hebräische Literatur ist unserer Organisation vorangegangen. Die Gedanken, die jetzt im modernen Judentum ihren Wohnsitz zu nehmen beginnen, waren dort heimisch und klar festgestellt und sollen auch fernerhin von dort ausstrahlen. Unser Zweck soll es sein, nicht den toten Schatz von Büchern zu mehren, sondern unsere nationale Literatur zu beleben, den Sinn für sie zu wecken und immer größere Kreise immer mehr für sie zu gewinnen, sie in neuen Fluß zu bringen und hiedurch das nationale jüdische Leben zu nähren, zu erwecken und zu bereichern. Und nun mein letztes Wort heute an Sie. Ich hoffe und flehe eine gütige Vorsehung an, sie möge den XVIII. Zionistenkongreß so leiten, daß durch ihn die Rettung unseres Volkes gefördert werde und Erez Israel einen Riesenschritt vorwärts mache, zur Erfüllung seiner prophetischen Verheißung, ein ruhiges, sicheres, glückliches Heim zu werden für unser schwerbedrängtes Volk, für das es der einzige Trost und die einzige Hoffnung ist, und segenspendend für alle Völker der Erde, und daß der Zionismus das ganze jüdische Volk wie auch die edlen und großmütigen Menschen und Freunde Israels in der ganzen Welt begeistere und vereinige in Eintracht und Liebe für Gerechtigkeit und Gleichheit unter Menschen und Nationen! Hiermit habe ich die Ehre, den XVIII. Zionistenkongresses zu eröffnen (Stürmischer, sich stets von neuem erhebender Beifall). GESANDTER Dr. PAVLÜ (Bevollmächtigter Minister der Cschoslovakischen Republik — spricht öechisch): Ich habe die Ehre, Ihnen das Bedauern des Herrn Ministers Benes zu übermitteln, der verhindert

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.