Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 38)
- Language
- German, English, Hebrew
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38 /. Kongreßsitzung: Eröffnung zeugt bin, daß die allermeisten die Formalität des Ansuchens gar nicht durchgeführt haben, weil sie von vornherein wissen, daß sie den Vorschriften nicht entsprechen, oder weil sie sich erst dazu vorbereiten. Ich glaube ohne jede Uebertreibung sagen zu dürfen, daß es jetzt große Länder gibt, deren jüdische Bevölkerung, mit wenigen Ausnahmen, nach Erez Israel auswandern will und muß, und nur von uns, d. h. von unserem Tempo, von diesem Schritt abgehalten wird. Das ist keine angenehme Rolle für eine Zionistische Organisation. Das ist eine Tatsache, die in unserer Seele brennt, ein Mißstand, unter dem wir alle schwer leiden. Es ist töricht, ein Parteischibboleth aus einer so traurigen Tatsache zu machen. Wir müssen dieser Wirklichkeit ohne Parteibrille ins Auge schauen. Die Größe und die Tragik des zionistischen Fortschrittes besteht in Folgendem: Erez Israel hat aufgehört, wie früher ein zionistisches Lieblings-Diskussionsthema Zu sein, und ist infolge der Entwicklung der Zeitereignisse zu einer allgemeinen jüdischen Volkssache geworden, einer Friedenswaffe im jüdischen Kampf ums Dasein, der von Tag zu Tag schwerer wird, ein Obdach und eine Zuflucht für leidende Juden. Wie sollen wir unseren Zionismus mit all seinen notwendigen und vielleicht auch manchen abänderungsmöglichen Beschränkungen an diese kolossalen Maßstäbe anpassen? Das ist nicht nur ein riesiger finanzieller Unterschied, sondern auch ein Unterschied in der ganzen Einstellung — wie seinerzeit der Uebergang von Chibbath Zion zum Zionismus, so auch diesmal ein Uebergang zu viel größeren Stimmungen und Perspektiven. DIE LÖSUNG. Für die Lösung dieses Problems gibt es zwei Wege, einen leichten und einen schweren, einen momentan populären, sensationellen, interessanten, aber in der Folge nutzlosen und mit fataler Notwendigkeit zu Enttäuschungen führenden, und einen momentan scheinbar ruhigen, ernsten, ungeheure Geduld erfordernden, aber den einzigen, der zum Ziele führt. Der leichtere Weg ist das Opium des inneren Streites und des Sichaufregens, das ewige Protestieren, die Pikanterie der leidenschaftlichen Polemik oder das Wecken übertriebener Hoffnungen auf dieses oder jenes vorgeschlagene Mittel, die wir alle gerne prüfen und vorurteilslos bereit sind, wenn möglich, anzuwenden. Der schwere Weg hingegen ist die Verzehnfachung der Arbeit unserer Organisation und ihrer Institutionen: des Keren Kayemeth, des Keren Hajessod, des neugegründeten Keren Hahazala, die unaufhörliche Aufklärungsarbeit, die schwere und kostspielige Arbeit der Erziehung, die übermenschlichen Anstrengungen, das ganze jüdische Volk zionistisch zu orientieren, die Aufrechterhaltung unserer guten Beziehungen zur Außenwelt und deren systematische, intensive, wenn auch nicht geräuschvolle Ausgestaltung usw., mit einem Worte, unser ganzes, vielseitiges Arbeitsprogramm, das wie eine Kette aus vielen Ringen und wie das Alphabet aus verschiedenen Buchstaben besteht.