Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 37)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokolow 37 schreiblichen Verlust, den wir durch den Tod des hochverehrten und heißgeliebten jungen zionistischen Führers, Dr. Arlosoroff, erlitten haben, war die Aera in Erez Israel verhältnismäßig eine Aera des Friedens und einer normalen Entwicklung. Noch nie stand das jüdische Volk wie jetzt im Jammer des Leidens in großen Teilen der Diaspora und im Glänze nur Erez Israels. Was wir dort — wo wir nichts hatten und alles von vorn anfangen mußten — erbaut, geformt, zusammengeschweißt haben, ist nicht allein — wie ein französischer Staatsmann sagte — das achte Wunder der Welt, sondern alle sieben Wunder der Welt sind darinnen zusammengefaßt. Wer immer den Fortschritt des Jüdischen Nationalheims verfolgt, nicht als mitschaffender Arbeiter — das können ja nur die eigentlichen Fachleute, die schöpferisch meist nur auf einem kleinen, engbegrenzten Gebiet tätig sein können — sondern als aufmerksamer Zuschauer und Mensch, der die Kultur seiner Zeit, ihre Bedingungen und ihre Entwicklung verstehen will, der blickt mit Anerkennung und Freude auf dieses wunderbare Menschheitswerk. Erez Israel ersteht zu einer tiefen friedlichen Blüte. Wohin der Blick fällt, überall Initiative, Unternehmungsgeist, Arbeitsfreudigkeit. Die Brunnen unserer Volkskraft rauschen aus der Heimaterde, und nicht wie sonst wenden sich die Augen in eine versunkene Vergangenheit, sondern sie blicken fest einer großen Zukunft entgegen. Das Land der Verheißung hat begonnen das Land der Erfüllung zu werden. Sollten auch nach großen Anläufen und Erfolgen manche Rückschläge kommen, ist doch im Großen und Ganzen der allgemeine Fortschritt gesichert. DAS JETZIGE PROBLEM. Aber eines muß ich mit besonderem Nachdruck sagen: Aeußerlich ruhig, sind wir doch innerlich zerwühlt von jener Unrast, die vom gegenwärtigen Posten immer auf den künftigen schielt, die in jedem Erreichten nur eine Uebergangsstufe erblickt, fiebernd strebt nach hohem Ziele. Was wir erreicht haben, ist kaum ein Tropfen auf einen heißen Stein. Hier ist der Punkt, wo sich die Diaspora und Erez Israel berühren. Unsere jetzige Tragödie besteht in Folgendem: Das in unserem Volke blitzschnell steigende positive dringende Bedürfnis nach Heimat läßt notwendigerweise das langsame, vorschriftsmäßige, systematische Tempo der Aufbauarbeit Erez Israels, so intensiv und fruchtbringend und erfolgreich es nach innen sein mag, als ein nach außen unmögliches, die wartenden Massen aufreizendes und nach allen Richtungen unbefriedigendes Schneckentempo erscheinen. Der Unterschied dieser beiden Tempi erinnert beinahe an den Unterschied zwischen der Schnelligkeit des Lichtes und der Langsamkeit, mit der sich der Tropfstein bildet. Wenigstens muß es so denjenigen erscheinen, für die es nicht nur eine Idealfrage, sondern eine direkte Lebensfrage ist. Dieser Gegensatz läßt sich zum Teil in dem Unterschied zwischen der Zahl derjenigen, die Zertifikate verlangen, und derjenigen, die sie erhalten, ziffernmäßig feststellen. Ich sagte „zum Teil", weil ich über-