Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 34)
- Language
- German, English, Hebrew
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34 /. Kongreßsitzung: Eröffnung AN DIE WELT! - Der Zionismus muß heute, im Lichte der neuen Situation, eine Angelegenheit des ganzen jüdischen Volkes und der ganzen zivilisierten Menschheit werden. Wir sind jetzt bei einem neuen Abschnitt unserer Galuth-Entwicklung angelangt. Es muß jetzt im Verhältnis der Welt •zu uns Wandel geschaffen werden, es kann nicht beim Alten bleiben. Die Aufrechterhaltung des Status quo ist tatsächlich unmöglich geworden. Die Zionsidee muß jetzt wieder als Lösung der Judenfrage wie ein neues üageslicbt vor die ganze Oeffentlichkeit aufsteigen! Möge dieser Kongreß dem ersten Baseler Kongreß von 1897 in seinem kräftigen Anpacken der Judenfrage, in seinem Universalismus, in seinem mächtigen Ruf an die Menschheit gleich sein! Der Kongreß muß sich der hohen Sendung bewußt sein, das Vermächtnis Herzls übernommen zu haben, freilich nicht als starres Erbe, sondern als ein Pfand, mit dem unsere eigenen Kräfte in immer neuen Formen arbeiten müssen. Hier ist keine Personen-Autorität, sondern Volks-Autorität. Niemand war ein schärferer Gegner einer Personen-Autorität und eines unjüdischen Heroenkults als Herzl, der es ja mehr als irgendein anderer verdient hätte, Gegenstand eines solchen Kults zu sein. Er sagte: „Unsere Sache ist zu groß für den Ehrgeiz und die Willkür einzelner Personen. Sie muß ins Unpersönliche hinaufgehoben werden, wenn sie gelingen soll". Erfüllt vom Ernst des Augenblicks, richtet die gegenwärtige zionistische Tribüne, in aller Schärfe, von der Höhe eines unpersönlichen Objektivismus, aber mit einem Verantwortungsgefühl, das über Leben und Tod einer Nation entscheidet, folgende Fragen an die ziviliserte Welt: Wie denkt Ihr Euch die Sicherung der weiteren Existenz des jüdischen Volkes, dem man die Axt an die Wurzel seines Daseins gelegt hat? Soll dieses Volk immer und ewig in der Welt herumvagabundieren? Soll unser Volk immer von Land zu Land, ein lebendes Perpetuum mobile, seines historischen Landes beraubt, getrieben werden? Soll das irrende Leben, welches zur Ruhe kommen will, nie und nirgends Ruhe finden? Ist dies nicht ein Zustand, der den elementarsten Begriffen menschlicher Zivilisation Hohn spricht? Wo bist Du, zivilisierte Welt, Du, Europa, Du, Völkerbund? Und wo bist Du, hochverehrtes Deutschland Goethes, Schillers, Lessings und Kaiser Friedrichs, der den Antisemitismus als „größte Schmach des Jahrhunderts" gebrandmarkt hat? „Wo ist Abel, Dein Bruder?" Die unendlichen internationalen Unterhandlungen, Beratungen, Ministerbegegnungen, die Diplomaten und Experten, Konferenzen und Kommissionen, Pakte, Traktate usw. haben den Zweck, durch gegenseitige Verständigung eine Abrüstung zu erwirken, um die Gefahr eines Krieges abzuwenden und dessen Schrecken unmöglich zu machen. Ein Ziel, aufs innigste zu wünschen. Aber ist die Judenhetze