Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 571 (sequence 574)
- Language
- German, English, Hebrew
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Adler, Daiches, Schulman, Berlin 57* sehen Arbeit in Palästina zu tun hat. Ich will mich nicht in theologische Diskussionen mit Herrn Dr. Schulman einlassen, da es zu weit führen würde, wenn man den Gedanken „vor allem Gott und alles andere nachher" zu weit ausspinnen wollte. Wenn man Gott nur abstrakt versteht und nichts Praktisches hinzufügt, kann man noch weit über das Reformjudentum hinauskommen. Ich möchte überhaupt keine langen Diskussionen führen. Ich beneide die Nichtzionisten, denn sie sind noch frisch und munter. Wir Zionisten haben schon zwei "Wochen schwerer Arbeit hinter uns (Heiterkeit). Ich möchte nur folgendes sagen: Es ist wirklich an der Zeit, daß wir nicht nur über abstrakte Ideen sprechen und uns nicht nur darauf beschränken, über die Organisierung der Juden zu reden. Wir stehen in einer Situation, die, so schwer sie auch ist, die Möglichkeit für viele praktische Arbeit in Palästina gibt. Und von diesem Standpunkt aus, nicht nur vom organisatorischen will ich die einzelnen Fragen behandeln. Ich will nicht näher auf die Gründe eingehen, warum die Agudah außerhalb der Jewish Agency steht. Die Agudah hat einen guten Verteidiger in Dr. Schulman gefunden, aber ich glaube, ob nun die Agudah innerhalb oder außerhalb der Jewish Agency ist, Tausende und Zehntausende Agudisten wollen, daß praktische Arbeit in Palästina geleistet werde, und darüber ist zu sprechen. Die Frage des religiösen Judentums und des religiösen Lebens in Erez Israel ist nicht nur ein Mittel zum Zweck, damit möglichst viele Juden nach Erez Israel kommen oder uns helfen sollen. Die Frage ist vielmehr eine rein praktische. Es genügt deshalb nicht, eine Kommission einzusetzen, die, wie Dr. Jung vorschlägt, bloß die Frage untersucht, wie es möglich wäre, immer mehr religiöse Juden heranzuziehen. Wenn die Agency den Aufbau von Erez Israel stark und jüdisch machen soll, so möge eine Kommission eingesetzt werden, die Regeln dafür aufstellt, wie das Leben im Lande religiös und jüdisch gemacht werden soll. Gewiß geht Gott über alles, aber es heißt bei unseren Weisen, an erster Stelle stehe die Welt, an erster Stelle das jüdische Volk, an erster Stelle Erez Israel. Schon in Erez Israel zu leben, wenn auch nicht religiös, ist eine religiöse Tat. Mir ist der nichtreligiöse Jude in Erez Israel lieber als der nichtreligiöse in New York (Hört, hört!). Seine Freiheit soll jeder benützen, wie weit er will. Aber es war falsch, wenn es einmal hieß, Religion sei Privatsache. Wir stehen auf dem Standpunkt: Nicht religiös zu sein ist Privatsache (Beifall). Der offizielle Aufbau von Erez Israel muß darauf hinzielen, daß das ganze Leben im Lande religiös sei. Wir dürfen niemanden verdrängen, der in Erez Israel leben will, aber wir müssen Methoden schaffen, damit das ganze Leben im Lande religiös sei. Damit komme ich zur Frage der Erziehung in Erez Israel. Die Misrachi- Organisation, der ich angehöre, hat ihr Schulsystem in Palästina, und wir verlangen, daß dieses Schulsystem die Freiheit und die Möglichkeit zu einer Ausbreitung und Entwicklung erhalte. Allerdings sind wir damit noch nicht zufrieden, bloß ein Zweig des palästinensischen Schulwesens zu sein, denn wir wollen und erstreben, daß das ganze Schulwesen in Erez Israel religiös sei und andere Typen von Schulen, wenn sie notwendig sind, einen Zweig des gesamten religiösen Schulwesens bilden, vielleicht auch die Mittel zu ihrer Erhaltung bekommen sollen. Es geht nicht an, daß die religiöse Erziehung in Palästina sozusagen nur geduldet ist. Wir wollen auch nicht, daß an der Spitze der Arbeit für die