Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 566 (sequence 569)
- Language
- German, English, Hebrew
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566 j. Council-Sitzung: Generaldebatte B. der Vorschlag von Sprinzak, eine Million spendende Mitglieder zu gewinnen, Erfolg haben. Wir wollen die Verdienste des Zionismus durchaus nicht schmälern. Er hat eine Brücke geschlagen zwischen Ost und West, er hat im Kongreß eine Tribüne für das Weltjudentum geschaffen, auf politischem Gebiet die Balfour-Deklaration erzielt — und was in Palästina in zehnjähriger mühevoller Arbeit geschaffen wurde, haben wir ja aus der Rede von Dr. Ruppin entnommen. Ich möchte trotz aller weltanschaulichen Gegensätze und innerpolitischen Bedenken es hier aussprechen, daß Dr. Weizmann sich durch seine Außenpolitik die tiefe Dankbarkeit des ganzen jüdischen Volkes erworben hat. Auch auf wirtschaftlichem und kolonisatorischem Gebiet erkennen wir an, was der Zionismus geleistet hat, und mit Stolz blicken auch wir auf die Chaluzim, die Sümpfe in fruchtbares Land verwandelt "und dem jüdischen Namen neue Ehre erworben haben. Aber eben weil wir das alles hochschätzen, blicken wir mit Besorgnis in die Zukunft, denn ihre Grundlage ist schwankend. Die Grundlage des jüdischen Volkes ist die Thora, der Zionismus aber erstrebt Verweltlichung. Es werden Schulen gegründet, in denen die Religion keinen Platz hat, Kolonien ohne Synagoge, das bedeutet einen Bruch mit der Geschichte. Das erregt nicht nur bei uns Mißfallen, sondern auch bei den Christen wird der Sache unseres Nationalheimes dadurch der Nimbus genommen. Unterschätzen wir nicht das Gefühlsmotiv, das auch in England bei der Balfour-Deklaration eine solche Rolle gespielt hat! Es ist eine Stärkung für unsere S,ache, wenn wir als das Volk der Bibel nach Palästina zurückkehren. Die Betonung dieses Momentes könnte auch unser Verhältnis zu den Arabern bessern. Was bedeuten „historische Rechte"? Erez Israel ist für uns das Land der Verheißung; wenn wir die Religion beiseite setzen, worauf können wir uns noch berufen? Nicht darauf, daß wir einmal, vor 1900 Jahren, dort waren, die Araber sind länger dort, als wir jemals im Lande waren. Es ist wenig damit getan, wenn in Palästina sozialistische Experimente gemacht werden, die mehr an Marx und Lenin erinnern, als an die Propheten. Soziale Ideen gibt es auch in der Bibel, sie beruhen aber freilich nicht auf Klassenkampf, sondern auf der Idee Gottes und der Gotteskindschaft. Wir verlangen, daß die Schulen die Religion mehr betonen, daß das Schul werk des Misrachi voll und ganz erhalten wird, wir legen Verwahrung dagegen ein, daß seine Autonomie angetastet wird, und wünschen, daß der Council sich dagegen ausspricht. Ich muß auch mein Bedauern darüber aussprechen, daß man im heiligen Lande für die Heilighaltung des Sabbath kämpfen muß. Schlimmer noch ist es, wenn Juden in geistigem Chauvinismus erzogen werden. Erscheinen die Ideen des Revisionismus als Utopie, weil keine reale Macht dahintersteht, so müssen wir vor allem dagegen protestieren, daß eine Jugend in diesen Ideen erzogen wird. In seiner ganzen Geschichte hat das Judentum die Idee des Rechtes vertreten, darin liegt sein Ruhm und seine historische Aufgabe, nur mit dem Gedanken des Rechtes dürfen wir Palästina aufbauen. Das Palästinawerk steht in einer schweren Krise, aber wir brauchen sie nicht zu fürchten, wir werden sie überwinden, wenn wir nur der Macht des Geistes vertrauen und uns verlassen auf den Geist des Gotteswortes (Beifall). VORS. Dr. CYRUS ADLER (spricht englisch): Zu einigen kritischen Bemerkungen aus der Diskussion möchte ich sagen, daß ich die Broschüre von Rabbi